Stuttgart - Sami Khedira denkt angestrengt über seine Zukunft nach, Cacau ebenfalls, und auch andere Stars wie Serdar Tasci erwarten eine vielversprechende Perspektive: Kann der VfB Stuttgart seinen Kader halten?
Das Spiel beim FC Bayern weist den Weg: Europa-Liga oder Mittelmaß, Kontinuität oder Umbruch? Es steht eine Menge Arbeit an für Horst Heldt. Zumindest äußerlich macht der Manager aber nicht den Eindruck, als ob ihn die vielen offenen Personalfragen groß belasten würden. "Wieso? Das bin ich doch gewohnt", sagt er.
Häufig hat sich für den VfB erst auf den letzten Drücker entschieden, wohin die Reise geht. Vergangene Saison hatte der VfB vor dem 34. Spieltag sogar noch die Chance auf den Gewinn des Meistertitels, aber auch auf die Teilnahme an der Europa-Liga. Am Ende landete er in der lukrativen Champions League.
Am Samstag reist der VfB wieder nach München, doch diesmal ist die Perspektive nicht so erquickend. Verlieren die Roten, bleibt die Hoffnung auf das Erreichen der Europa-Liga wohl Wunschdenken.
Dann fehlen im kommenden Jahr die internationalen Einnahmen, die dem Verein in der laufenden Saison in der Königsklasse stolze 23 Millionen Euro bescherten. In der Europa-Liga gibt es nur einen Bruchteil davon zu verdienen: Der Hamburger SV kassierte bei 13 Spielen Uefa-Prämien von gerade einmal 1,77 Millionen Euro, dem VfL Wolfsburg blieben in der Zwischenrunde gegen den FC Villarreal 105.000 Euro.
Ein Nasenwasser, nur: Ohne die Europa-Liga bleibt unterm Strich gar nichts. Andererseits stellt der VfB in der Bundesliga die zweitbeste Rückrunden-Mannschaft, was Hoffnung macht auf eine rasche Rückkehr unter die Topteams. Ob Stars wie Khedira und Cacau die sportliche Durststrecke mitmachen, ist freilich offen - wie viele andere Personalien. Sami Khedira hat sich jedenfalls festgelegt. "Ich habe den Anspruch, international zu spielen", sagt der zentrale Mittelfeldmann der Roten. Die Gespräche über eine Verlängerung seines Vertrags (bis 2011) laufen.
"Wir haben einen Fahrplan", sagt Horst Heldt, der fest an eine Einigung glaubt: "Sami hat ja noch nie gesagt, dass er beim VfB keine Perspektive sieht." In Christian Gentner, der vom VfL Wolfsburg zurückkommt, hat der VfB den möglichen Nachfolger bereits verpflichtet. Allerdings könnte Gentner auch Alexander Hleb ersetzen, der zum FC Barcelona zurückkehrt. Oder besetzt der VfB das linke Mittelfeld ganz neu?
Milan Jovanovic von Standard Lüttich war vor der Saison ein heißer Kandidat, ein Tpy wie er gilt noch immer als Idealbesetzung. Allerdings hat sich der serbische Nationalspieler anderweitig entschieden - er wechselt ablösefrei zum FC Liverpool.
Stürmer Cacau will "noch im März" entscheiden, ob er seinen auslaufenden Vertrag verlängert. Falls nicht, muss der VfB womöglich ohne internationale Einnahmen einen Nachfolger verpflichten, der ähnlich schlagkräftig und entsprechend teuer ist. Serdar Tasci hat seinen Vertrag bei den Roten zwar erst bis 2014 verlängert, doch ohne die Teilnahme an der Europa-Liga wäre der Innenverteidiger ein gefragter Kandidat für die Topclubs in Italien oder Spanien.
Das Gleiche gilt für Linksverteidiger Cristian Molinaro, der von Juventus Turin nur ausgeliehen ist und eine Option besitzt, seinen Vertrag im Sommer zu beenden. Molinaro hat Arthur Boka verdrängt. Macht er weiter, dürfte sich der Nationalspieler der Elfenbeinküste die Frage nach seiner persönlichen Zukunft stellen, erst recht nach einer erfolgreichen WM-Teilnahme.
Generell muss Trainer Christian Gross die zentrale Frage beantworten: Benötigt der VfB mehr Klasse von außen, oder hält er das vorhandene Potenzial für ausbaufähig? Das gilt für Timo Gebhart im rechten Mittelfeld ebenso wie für den rechten Verteidiger Stefano Celozzi, über den Gross sagt: "Er hat Schwächen im Spielaufbau, aber für ihn spricht seine Jugend."
Pawel Pogrebnjak beeindruckt als unermüdlicher Kämpfer, seine Qualitäten als Torjäger blitzen aber viel zu selten auf. Und wer steht künftig im Tor? Jens Lehmann hört auf, Sven Ulreich soll aufrücken. Allerdings halten sich die Spekulationen um Jaroslav Drobny (Hertha). Sie könnten zur Gewissheit werden, wenn der Abstieg der Berliner besiegelt ist.
So oder so: Dem VfB stehen spannende Wochen bevor. Horst Heldt kümmert das nicht: "Das bin ich doch gewohnt."