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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 15.04.2010

Coco Chanel & Igor Strawinsky

Eine Affäre wird dekoriert

Er revolutionierte die Musik, sie die Modewelt. Über die kurze Affäre von Coco Chanel und Igor Strawinsky im Jahr 1920 weiß auch Chris Greenhalgh nicht viel. Trotzdem hat er über sie einen Roman geschrieben. Dass Jan Kounen diesen jetzt verfilmte, ist grundsätzlich in Ordnung - schließlich ist das Kino der erste Ort für die schönen, wilden Fantasien schöner, wilder Menschen, und mit dem kantigen Mads Mikkelsen und der elegant-extravaganten Anna Mouglalis fand der Regisseur Darsteller, die dem Schönen und Wilden Charakter geben können.

Doch der Schnittpunkt der beiden Künstler-Biografien, über den auch kundige Biografen rätseln, war so klein, die Begegnung der beiden so kurz, dass die bewegten Bilder immer langsamer werden. Je länger der Film dauert, umso stärker beherrschen üppiges Dekor, lange, wehmütige Blicke und fortwährend Zigarette rauchende Menschen die Bilder. Man wird müde an ihnen. Was bleibt? Das Wissen darum, das Coco just in jener Zeit ihr berühmtes Parfum Chanel Nr. 5 kreierte. Und die Enttäuschung über Kounens Rekonstruktion von Nijinskys Ballet zu "Le Sacre du Printemps": Der Skandal von ehedem wirkt heute nur mehr wie kindischer Mummenschanz.
 

Susanne Benda

15.04.2010 - aktualisiert: 15.04.2010 12:57 Uhr

 


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