Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 22.04.2010
Chloe
Eine gestörte Lolita der stereotypen Art
Eine eifersüchtige Ehefrau ohne Anhaltspunkte für einen Fehltritt setzt ein junges Ding auf ihren Mann an, um dessen Verführbarkeit zu testen. Das kann natürlich nur schiefgehen, was in diesem Fall vor allem an der geheimnisvollen Schönen liegt.
Der armenischstämmige Kanadier Atom Egoyan, in den 1990er Jahren mit atmophärisch-delikaten Filmen wie "Exotica" zu einer Hoffnung des Arthaus-Kinos aufgestiegen, scheint den Faden verloren zu haben: War schon "Adoration" (2008), sein Versuch einer Bearbeitung des Terrorismusthemas, ein vor Pathos überquellendes, sentimentales Rührstück, so ist "Chloe" nun auch noch erschreckend konventionell geraten. Da hilft auch die Besetzung nichts. Amanda Seyfried gibt mit blonder Mähne und Schmollmund eine gestörte Lolita der eher stereotypen Art, ein Abziehbild dessen, was eine wie Scarlett Johansson vielleicht zum Leben hätte erwecken können. Julianne Moore als Ehefrau mit glänzender Karriere als Ärztin wirkt weit überspannter, als sie müsste, und Liam Neeson als braver Professor tut kaum mehr als seine Pflicht.
Worauf diese Geschichte hinausläuft, ist allzu früh klar, und der Schluss wirkt wie aus einem deutschen TV-Krimi der 1970er Jahre.
Bernd Haasis
22.04.2010 - aktualisiert: 22.04.2010 10:18 Uhr