Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 06.05.2010
Iron Man 2
Feiern wie ein Popstar
Es kommt selten vor, dass ein Film mit schwachem Beginn sich später noch fängt; "Iron Man 2" ist so ein Fall. Der Waffenkonzern-Erbe Tony Stark, in Teil eins geläutert und dank selbst entwickeltem Metallanzug zum Superhelden geworden, erliegt gleich zu Beginn der Hybris: Er lässt sich als Iron Man auf der Bühne feiern und feiert wie ein Popstar, begleitet von leicht bekleideten Tänzerinnen und harten Riffs von AC/DC ("Shoot To Thrill"). Der US-Regierung, die den wehrhaften Metallanzug gerne hätte, versichert er, niemand sonst könne in absehbarer Zeit einen bauen - was derweil in einem besonders abgewrackten Teil Russlands ein Mann mit viel Dreck unter den Fingernägeln schon tut. Dessen Vater, ein Sowjetphysiker, forschte einst mit Tonys Dad, ehe dieser ihn verstieß.
Größenwahn, eine alte Rechnung, gefährliche Technologie in den falschen Händen - spannende Themen gibt es hier so viele, dass Jon Favreau sich zunächst darin verheddert. Neben Robert Downey jr. als Tony Stark treten wie in Teil eins Don Cheadle als genervter Freund sowie Gwyneth Paltrow als genervte Assistentin auf, dazu Sam Rockwell als skrupelloser Rüstungsproduzent, Mickey Rourke als böses Genie sowie Scarlett Johansson und Samuel L. Jackson als mysteriöse Agenten.
Eine starke Besetzung, die nur einen Bruchteil dessen zeigen kann, wozu sie eigentlich in der Lage wäre. Downey jr. wirkt selten unsympathisch, Sam Rockwell nervt, Don Cheadle wirkt griesgrämig, Mickey Rourke ist als tätowiertes Monster überinszeniert, und Johansson darf außer langen Beinen und ein wenig Kampfkunst gar nichts zeigen. Logikfehler en masse schmälern das Vergnügen ebenso wie sinnentleerte Dialoge, die oft freilich der schwachen Synchronisation geschuldet sind - wenn Johansson Tony Stark einen Drink reicht und fragt: "Ist er steif genug?", merkt jeder, dass hier an der Übersetzung etwas nicht stimmt.
Die Actionsequenzen sind sparsam gesetzt und haben zum Teil keine Bindung an die Handlung. Ein Autorennen in Monte Carlo etwa, bei dem Rourke mit Energiepeitschen Rennwagen zerteilt, wirkt völlig unmotiviert und ist nicht mehr als ein Knalleffekt.
Nach etwa einer Stunde nimmt der Streifen dann Fahrt auf, die Geschichte verdichtet sich, das Figurentableau wird übersichtlicher. Downey jr. zeigt wieder den Tony Stark aus dem weitaus gelungeneren ersten Teil, bastelt, zündelt und feiert einen Durchbruch als Genie, ehe ein spektakuläres Schlussinferno hereinbricht in Gestalt unbemannter, ferngesteuerter "Iron Men", die fürs US-Verteidigungsministerium entwickelt wurden und außer Kontrolle geraten. Gegen diese Übermacht darf dann Don Cheadle im Eisenanzug mithelfen, und Freunde überdrehter Science-Fiction-Action kommen beim Popcorn doch noch auf ihre Kosten.
Bernd Haasis
06.05.2010 - aktualisiert: 06.05.2010 10:14 Uhr