Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 20.05.2010
Prince of Persia - Der Sand der Zeit
Lauf, Prinzessin, lauf!
Jake Gyllenhaal und Gemma Arterton dürften sich wie bei den Bundesjugendspielen gefühlt haben. Ständig mussten sie in den Kostümen Prinz Dastans und Prinzessin Taminas springen, rennen und klettern, um zu verhindern, dass ein Dolch mit magischen Kräften in die falschen Hände gerät.
Der Film "Prince of Persia - Der Sand der Zeit" verheimlicht nicht, das seine Vorlage ein Videospiel ist. Produzent Jerry Bruckheimer - der Mann, der im Kino meistens fürs Grobe zuständig ist - versucht den Märchenfilm aus dem Geist des Jump-and-Run-Spielegenres wiederzubeleben. Und weil artverwandte Streifen wie "Der Dieb von Bagdad" schon zu Zeiten, als Computer noch gar nicht erfunden waren, ein bisschen wie Videospiele-Umsetzungen aussahen, stört das nicht wirklich. Man fühlt sich in der für eine Bruckheimer-Produktion verhältnismäßig sachten Inszenierung an die Action-Adventure-Spiele "Prince of Persia" und "Assassin's Creed", ein bisschen aber auch an "Super Mario" erinnert - vor allem dann, wenn Alfred Molina als der ulkige Scheich Amar seine Auftritte hat.
Selbstverständlich bietet der Film das Spektakel, das man von so einem märchenhaften Abenteuer erwartet. Neben den akrobatischen Sprung-, Renn- und Klettereinlagen gibt es Kampfchoreografien und protzige Effekte zu bestaunen. Allerdings trifft Bruckheimer auch einige mutige Entscheidungen. Bei der Wahl des Regisseurs zum Beispiel: Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") ist kein Krach-Bum-Regisseur, sondern Fachmann für romantische Komödien. Und tatsächlich macht er aus dem Actionstoff eigentlich eine Screwball-Komödie. Der Prinz und die Prinzessin necken sich von der ersten Minute ihres Kennenlernens an so redselig und gewitzt, dass man sofort weiß, dass das Liebe sein muss.
Gewagt ist die Wahl der Hauptdarsteller deshalb nur auf den ersten Blick. Jake Gyllenhaal ("Brokeback Mountain") ist zwar kein Gerard Butler, Gemma Arterton ("James Bond - Ein Quantum Trost") keine Megan Fox. Aber beide sind richtige Schauspieler, die dafür sorgen, dass der Film dann am spannendsten ist, wenn gerade nicht gehüpft, gerannt und geklettert wird.
Und wer will, entdeckt in "Prince of Persia" sogar einen politischen Subtext; erzählt der Film doch von einer Weltmacht, die in Persien unter dem Vorwand, dass jemand heimlich verbotene Waffen produziere, einen Krieg anzettelt. Die Waffenfabrik, die ein Spion entdeckt haben will, wird aber nie gefunden. So viel Realismus verirrt sich in Bruckheimer-Filme sonst nie.
Gunther Reinhardt
20.05.2010 - aktualisiert: 20.05.2010 12:54 Uhr