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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 27.05.2010

Sex And The City 2

Zuletzt helfen doch nur Diamanten

Der Regisseur heißt Michael Patrick King, aber das ist an dieser Fortsetzung der ins Kino verlagerten Version einer einst leidlich lustigen amerikanischen TV-Serie (1998-2004) wohl mit das Unwichtigste. Oder doch nicht? Von Beginn an ist dies das Problem mit "Sex And The City 2", diesen mehr als zwei Stunden voller Kleidertausch und peinlich offensiver Produkt-Vorführung - es gibt Minuten, die passen. Es gibt Momente, in denen Wortwitz und Kameraeinstellung einfach Spaß machen, Momente, die den Wahnwitz des Projektes erbarmungslos nah vor Augen zerren. Und dann, gerade so, als wollte man auf keinen Fall den Eindruck erwecken, eine durchlaufende Komödie drehen zu wollen oder zu können, gibt es Bildleere, ein Nichts an Gesichtern und buntes Gähnen. Dazu Sex aus der Billigst-Ecke und ein Postkarten-Abu-Dhabi, das nicht nur bildnerisch bald dort landet, wo auch 90 Prozent der eilig beschriebenen Rückseitenversandbilder enden.

Die Handlung? Kolumnistin Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) sieht sich von ihrem geheirateten Ruhepol nicht ausgelastet, Anwältin Miranda (Cynthia Nixon) bleibt in ihrem Beruf und als Teilzeitmutter nicht weniger überfordert wie Charlotte (Kristin Davies) einzig mit der Frage, wie wohl Frauen zurechtkommen, die keine Vollzeitkinderhaushaltshilfe haben. Und Marketingfachfrau Samantha (Kim Cattrall)? Mimt weiter die Frau mit dem Doppelherz für Jugend und Sex. Zur Zerstreuung sind eine Homo-Hochzeit samt eher befremdendem Liza-Minelli-Auftritt, Galas und der Ausflug nach Abu Dhabi eingefügt. Ein buntes Nichts in perfekter Ton- und Bildqualität.

Und wenn dies alles Absicht ist? Wird New York, das den US-Amerikanern noch immer erscheint wie ein Ufo, das man höchstens bestaunt, besser aber für alles verachtet, was Manhattan unheilig ist, nicht anders vorgeführt als Abu Dhabi. Sind die Heldinnen Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha nur ein Mittel, um kenntlich zu machen, dass US-Amerikaner nie verstehen werden, was die Welt außerhalb der Vereinigten Staaten bewegt. "Sex And The City 2" als Kulturstudie? Da sind Kleiderwechsel, Eifersucht und Beziehungsfragen vor - mit der einfachen, aber einprägsamen Lehre für die Männer, dass nicht Flachbildschirme, sondern doch Diamanten der Damen beste Freunde und größte Freude sind.

Anschauen oder nicht? Diese Frage erlaubt "Sex And The City 2" kaum mehr. Ob auf Plakaten, in Schaufenstern, in Nachrichtenmagazinen, Modejournals oder im Internet - Sarah Jessica Parker ist immer schon da. Nicht blass wie in den ersten Filmminuten, sondern in jener wärmenden Wohlfühlfarbe, die ihr das Drehbuch mit dem Erlebnis Wüstensand zugeschrieben hat. Es stimmt natürlich, Parker & Co. entführen uns in ein Oberflächen-Nichts. Warum aber eigentlich nicht - wer will, findet schließlich in diesem dramaturgisch mühsam zusammengehaltenen Streifen mehr Wahrheiten als in manch tiefschürfender deutscher Ach-wir-armen-Mittdreißiger-Szenerie.

Die Kernbotschaft bleibt Samantha vorbehalten: Nach zwei Jahren, Kim Cattrall schreit es fast, habe sie die Wirtschaftskrise satt und wolle endlich wieder Spaß. Willkommen zurück in den 1920er Jahren.
 

Nikolai B. Forstbauer

27.05.2010 - aktualisiert: 27.05.2010 11:06 Uhr

 


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