Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 27.05.2010
The Crazies
Verbeugung mit der Mistgabel
Als die Einwohner eines abgelegenen US-amerikanischen Kleinstädtchens plötzlich verrücktspielen und es zu Morden kommt, werden der Sheriff und seine Mannschaft in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Könnte etwa das chemisch verunreinigte Trinkwasser schuld daran sein, dass sich harmlose Mitbürger in rasende Bestien verwandeln? Noch bevor der Sheriff richtig loslegen kann, steht plötzlich das Militär in Schutzanzügen auf dem Parkett und übernimmt das Kommando. Der Ort wird hermetisch abgeriegelt, und hastig werden Internierungslager eingerichtet - mit bösen Folgen.
Wie souverän er mit Kamera, Ton und Schnitt umzugehen weiß, beweist Regisseur Breck Eisner ("Sahara") spätestens in jener Szene, in der sich der Sheriff und seine Helfer auf der Flucht vor ihren Häschern mit ihrem Fahrzeug in einer verlassenen Autowaschanlage verstecken. Die jetzt folgende knallharte Action dürfte zweifelsfrei den Höhepunkt des Films darstellen und den Betrachter zu erhöhter Adrenalinproduktion anregen. Obgleich es sich bei Eisners Film nur um ein Remake eines bereits 1973 unter der Regie von Horror-Ikone George A. Romero entstandenen Films handelt und daher für Genre-Kenner nicht viele Überraschungen bereithält, so ist er dennoch sehr solide und vor allem durchweg spannend inszeniert. Zartbesaitete seien aber gewarnt: Denn seine Freigabe erst ab 18 Jahren verdient sich der Film unter anderem mit dem zweckentfremdeten Einsatz einer Mistgabel - und der schmerzt richtig! Eine solche Verbeugung der Filmemacher vor ihrem großen Vorbild Romero dürfte dann auch selbst die abgebrühteste Horror-Fangemeinde bei Laune halten.
Wolfram Hannemann
27.05.2010 - aktualisiert: 27.05.2010 11:29 Uhr