Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.06.2010
Hanni & Nanni
Lindenhof macht Schule
Die ersten Minuten haben etwas von einem Klassentreffen. Jahrelang fast vergessen, nun sieht man sich also wieder und fragt sich, ob alles noch so wie früher ist. Aber nein, man darf erleichtert sein: Hanni und Nanni sind sich treu geblieben - vielmehr der Romanvorlage von Enid Blyton.
Natürlich ist alles ein bisschen moderner als in den Büchern. So landen Hanni und Nanni auch nicht einfach so in Lindenhof: Zu Hause in Berlin werden sie des Diebstahls verdächtigt und fliegen von ihrer Schule. Im Internat sollen sie Manieren lernen, feiern stattdessen Mitternachtspartys, merken, was wahre Freundschaft ist, und retten ganz nebenbei noch Haus und Lindenhof. Alles wie gehabt. Und sollte doch etwa eine moderne Errungenschaft die Buchvorlage stark beeinträchtigen, wird sie elegant umschifft. So werden den Mädels bei ihrer Ankunft gleich mal Laptop und iPod abgenommen. "Das braucht ihr hier nicht", heißt es von der gestrengen Mathelehrerin.
Sie bleibt also heil, die Internatswelt, die vor 70 Jahren von Enid Blyton erschaffen, seit den 1960er Jahren von Co-Autoren dem Zeitgeist angepasst und nun von der Regisseurin Christine Hartmann für die Leinwand aufgefrischt wurde. Da stört es auch nicht, dass die Inneneinrichtung des Internats von Harry Potters Hogwarts ausgeliehen wurde und Hannelore Elsner als Internatsdirektorin Fräulein Theobald ein bisschen zu beseelt durch die Schulflure wandelt. Das Klassentreffen lohnt sich.
Regine Warth
17.06.2010 - aktualisiert: 17.06.2010 10:37 Uhr