Artikel aus der Nord-Rundschau vom 24.07.2010

 

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Rückgang bei schweren Straftaten

Stammheim. Der Bezirksbeirat hat sich mit der polizeilichen Kriminalstatistik befasst und von positiven Trends erfahren. Von Chris Lederer
 

Revierleiter Dieter Steinmann warnte gleich zu Beginn seines Vortrags: "Die Kriminalstatistik gibt kein exaktes Abbild der tatsächlichen Kriminalitätsbelastung im Stadtbezirk wieder." In manchen Bereichen sei die Dunkelziffer wohl höher als die Zahl der Straftaten, die in der Statistik auftauchen. "In der polizeilichen Kriminalstatistik werden nur diejenigen Straftaten und mit Strafe bedrohten Versuche ausgewiesen, die der Polizei überhaupt zur Kenntnis gelangen." Abhängig sei die Zahl der erfassten Delikte auch von verschiedenen Einflussfaktoren wie etwa der Anzeigebereitschaft der Beteiligten. "Wenn Sie etwa mehr Ladendetektive einsetzen, erhöht sich dadurch auch die Zahl der Ladendiebstähle." Kurz: Es wird nicht mehr geklaut, es werden nur mehr dabei ertappt. Nichtsdestotrotz hat die Statistik ihren Wert. Der liegt darin, dass sich aus ihr bestimmte Entwicklungen ablesen lassen.



Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass die Zahl der erfassten Straftaten 2009 im Vergleich zum Vorjahr rückläufig ist. "Einen Rückgang gab es bei schwerem Diebstahl und bei Sachbeschädigungen", sagte Steinmann. "Vor allem gab es in keinen Bereichen wesentliche Zunahmen." 528 Straftaten wurden im vergangenen Jahr erfasst. 612 waren es im Jahr davor. Von den 528 Fällen wurden 317 Fälle (60 Prozent) aufgeklärt. Dabei wurden 275 Tatverdächtige - 216 männlich, 59 weiblich, ermittelt.



Erfreut zeigte sich der Revierleiter ob der Tatsache, dass die Anzahl der Jungtäter, also der Täter unter 21 Jahre, im Vergleich zu 2008 deutlich abgenommen hat. 68 Jungtäter waren es 2009, im Vorjahr noch 95. Davon 14 Kinder, 25 Jugendliche und 29 Heranwachsende.



Den Löwenanteil der Straftaten insgesamt machen Diebstähle aus. Insgesamt 156-mal griffen die Langfinger zu, davon waren 102 "einfache Diebstähle" wie etwa Ladendiebstähle (41-mal) und 54 schwere Diebstähle wie Autoaufbrüche (5 Fälle) und Wohnungseinbrüche (9 Fälle). "Der schwere Diebstahl ging von 69 auf 54 deutlich nach unten, das ist sehr erfreulich."



Gefolgt werden die Diebstähle von den Sachbeschädigungen. Hiervon gab es im vergangenen Jahr 102 gemeldete, darunter 16 Graffiti. Im Jahr 2008 waren es noch 138, davon 78 Farbschmierereien. Somit ein Rückgang um knapp 80 Prozent.



Auf Rang drei der Statistik liegen die Körperverletzungen. Sie sind mit 61 gemeldeten Fällen exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Sexualdelikte wurden zwei bekannt, im Jahr 2008 waren es noch 14. Leicht angestiegen ist die Menge der Vermögens und Fälschungsdelikte. Dazu zählen unter anderem Internetbetrug und Schwarzfahren. 93 Fälle waren es im vergangenen Jahr, davor noch 87. "Wir befinden uns hier insgesamt auf einem sehr unteren Niveau", sagte Steinmann. Dies sei auch bei der Rauschgiftkriminalität der Fall. 38 gemeldete Fälle gab es zu verzeichnen, 2008 waren es 36. "Wir haben hier keine offene Rauschgiftszene." Außerdem wies der Revierleiter darauf hin, dass in die Statistik auch die Delikte einflössen, die sich hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt abspielten. "Das Gefängnis gehört zu Stammheim, und was dort passiert, wird deshalb mit dazugezählt."



Im Vergleich zu den benachbarten Stadtbezirken liege Stammheim am unteren, positiven Ende. Heruntergerechnet auf Straftaten pro 1000 Einwohner komme man in Stammheim auf 43, in Mühlhausen auf 55 in Zuffenhausen auf 82 und in der Gesamtstadt auf 100 Straftaten.



Steinmanns Fazit fiel positiv aus, vor allem wegen der rückläufigen Jugendkriminalität: "Wir haben neue Kooperationen und sind in der Zusammenarbeit näher zusammengerückt", sagte er. Schulsozialarbeiter, Kinder- und Jugendhaus, Bezirksamt und Polizei arbeiteten besser miteinander. Durch Jugendhausleiter Michael Klamm sei der Einstieg in die aufsuchende Jugendarbeit erfolgt. "Wir gehen an die kritischen Gruppen offensiv ran." Wichtig sei es, im sozialen Bereich in "den Szenen zu wirken". "Sie leben hier in einem sehr sicheren Stadtbezirk. Die kooperativen Maßnahmen in der Jugendszene zeigen objektiv Wirkung, diese gilt es fortzuführen", betonte der Revierleiter und fügte hinzu: "Kooperativ heißt gemeinsam!"
 

24.07.2010 - aktualisiert: 24.07.2010 06:00 Uhr

 

 



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