Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 05.08.2010
Kiss & Kill
Perfekt fehlbesetzt
Seichte Agentenfarce mit unglaubwürdigem Hauptdarsteller
Beim gemeinsamen Urlaub mit ihren extrem peinlichen Eltern lernt die junge Jan (Katherine Heigl) ihren Traummann Spencer (Ashton Kutcher) kennen. Drei Jahre später sind die beiden glücklich verheiratet. Was die recht naive Jan jedoch nicht ahnt: Ihr Mann war früher als skrupelloser Killer für einen Geheimdienst tätig. Als der Gatte plötzlich unversehens von seiner eigenen Vergangenheit heimgesucht wird und sich das gemeinsame Haus mit Leichen füllt, führt das zu erheblichen Komplikationen mit der Gemahlin.
Eines stört wirklich an dieser leider nur mäßig witzigen und actionreichen Komödie im Stil von "Mr. & Mrs. Smith": der Hauptakteur Ashton Kutcher. Mit seinem faltenfreien Milchbubi-Gesicht stellt er für die Rolle des Ehegatten die klassische Fehlbesetzung dar, und einen skrupellosen Killer nimmt man ihm einfach nicht ab - Komödie hin oder her. Was dem Jungspund an Ecken und Kanten im Gesicht fehlt, versucht seine Filmpartnerin mit entsprechend prominent ins Bild gerückter Oberweite auszugleichen. Mit dem Ergebnis allerdings, dass die Frage "Echt oder Silikon?" den Zuschauer fortan von den Geschehnissen auf der Leinwand restlos ablenkt. Die beste Figur im Trauerspiel gibt ein grau melierter Tom Selleck ab, der den Vater der Braut mit souveräner Lässigkeit mimt.
Natürlich sucht Regisseur Robert Luketic mit diesem Streifen auch die Nähe zu James-Bond-Filmen. Das wird nicht nur beim attraktiv gestalteten Vorspann offenkundig, sondern auch bei Rolfe Kents Filmmusik, die an die Klänge eines John Barry erinnert. Wer auf seichte Unterhaltung mit viel Bumm und Peng steht, dem könnte das Filmchen gefallen. Anspruchsvollere Gemüter werden sich mit dem Lachen allerdings sehr schwertun.
Wolfram Hannemann
05.08.2010 - aktualisiert: 05.08.2010 11:17 Uhr