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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 05.08.2010

Eine Karte der Klänge von Tokio

Durcheinandergeschüttelt

Die spanische Regisseurin Isabel Coixet erkundet die japanische Megacity, nicht aber ihre Figuren
 

Vor einigen Jahren machte eine junge spanische Filmemacherin mit leisen, aber emotional gewaltigen Filmen auf sich aufmerksam: "Mein Leben ohne mich" (2003) handelte von einer jungen Mutter, die sich auf ihren Tod vorbereitet, "Das geheime Leben der Worte" (2005) erzählt vom Schmerz des Lebens und der Heilkraft der Stille. Nach einigen weniger aufsehenerregenden Produktionen sucht Coixet nun in "Eine Karte der Klänge von Tokio" nach dem Popflair der japanischen Megacity Tokio, in ästhetischen Bildern und einer schrill konstruierten Geschichte.

Im Mittelpunkt steht die junge, schweigsame Ryu (Rinko Kikuchi), die im normalen Leben in einer Fischfabrik arbeitet. Tatsächlich aber ist sie Auftragskillerin. Eines Tages erhält sie von einem mächtigen Mann die Anweisung, einen Weinhändler (Sergi Lopez) umzubringen, der für den Tod seiner Tochter verantwortlich sein soll. Doch anstatt ihren Auftrag auszuführen, beginnt Ryu eine Affäre und verliebt sich - worauf kommt, was kommen muss.

Coixet erzählt aus der Perspektive eines alten Mannes, der die geheimnisvolle Ryu wie ein Verehrer bewundert. Sie verwebt die Perspektiven der verschiedenen beteiligten Personen miteinander und schüttelt sie chronologisch durcheinander, so dass es nicht leichtfällt, dem Geschehen zu folgen. Dabei ist die Faszination Coixets für Tokio in diesem Film leicht zu erkennen: Bläulich eingefärbte Bilder von der Fischfabrik, das in Rot und Weiß gehaltene, bühnenhaft inszenierte, hoffnungslos geschmacklose Zimmer im Stundenhotel, die stechend klaren Farben in der sonst überwiegend in Brauntönen gehaltenen Umgebung erinnern weniger elegant denn penetrant aufgesetzt an Peter Greenaways filmische Kunstwerke.

Das Drehbuch trägt nicht, die Charaktere gleichen eher gesichts- und gefühllosen Klischees denn lebendigen Menschen mit einer Geschichte, die zu erfahren sich lohnen würde. Coixet hat hier den Blick für die kleinen, faszinierenden Details verloren, die ihre früheren Filme auszeichneten. Schade.
 

Eva Maria Schlosser

05.08.2010 - aktualisiert: 05.08.2010 11:20 Uhr

 


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