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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 19.08.2010

Das letzte Schweigen

Trügerische Idylle

Eine Kleinstadt in Franken. Wälder und Felder grenzen an Neubaugebiete, doch die Idylle trügt. Ein Mädchen ist verschwunden. Genau an der Stelle, wo vor 23 Jahren ebenfalls ein Mädchen vergewaltigt und ermordet aufgefunden wurde. Manche am Ort fühlen sich von der Vergangenheit eingeholt. Und auch der junge Kommissar David sucht nach einem Zusammenhang.

Das Spielfilmdebüt des Jungregisseurs Baran Bo Odar basiert auf dem Roman von Jan-Costin Wagner und ist als psychologisierender Thriller angelegt. Die Atmosphäre ist lauernd, die Bilder vermitteln Kälte und Gleichgültigkeit. Die Protagonisten sind gebrochene Menschen, die nur mit Mühe den schönen Schein bewahren. Eigentlich ein vielversprechender Ansatz. Durchweg hat sie Bara Bo Odar zudem mit bekannten Schauspielern besetzt, etwa Wotan Wilke Möhring oder Karoline Eichhorn.

Dass die Geschichte trotzdem nicht fesselt, liegt vor allem am dem Drehbuch von Richard Shakocius und Alex Ross: Ärgerlich sind Dialoge wie Handlungen. So reagiert das Kleinkind, das seinen Vater dabei beobachtet, wie er in der Küche eine Schnapsflasche fallen lässt, mit der abstrusen Frage: "Tut es sehr weh?" Die Geschichte wirkt mitunter fast lieblos zusammengezimmert, die Figuren überdreht, ihre Handlungen unlogisch und mit bedeutungsschwangerer Symbolik überzeichnet.
 

Eva Maria Schlosser

19.08.2010 - aktualisiert: 19.08.2010 13:58 Uhr

 


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