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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 20.08.2010

Babys

Entfremdung contra Erdung

Der Titel hält, was er verspricht: Der französische Regisseur Thomas Balmès hat vier Babys ein Stück begleitet auf ihren Lebenswegen, die sich grundlegend unterscheiden, denn sie sind in ganz unterschiedliche Kulturkreise geboren.

Der größte Kontrast herrscht zwischen Namibia und den USA: Während das afrikanische Baby Hundeknochen aus der Erde ausgräbt und daran herumnagt, hat der amerikanische Papa in Gegenwart seiner Tochter ständig den Handstaubsauger im Anschlag. Und während man in San Francisco und Tokio Krabbelgruppen braucht, bieten das afrikanische Dorf und die mongolische Jurte natürliche Gemeinschafts- und Familiensituationen. Blamès kommentiert nicht mit Worten, mit seinen Bildern allerdings ein wenig zu viel: Zivilisatorische Entfremdung contra geerdete Selbstverständlichkeit möchte er vorführen, doch besonders die Afrikaner kommen dabei eher schlecht weg - im Film entsteht der Eindruck, als säßen sie nur faulenzend im Dreck.

Die Kinder offenbaren, wie ähnlich der Mensch sich am Anfang ist, sie schreien, lachen, heulen, glucksen, pupsen und spucken, was auf Spielfilmlänge gezogen aber durchaus manche Wiederholung bietet. Auch Zuneigung, Sorgen und Zorn der Eltern sind zu sehen und dürften bei manchem Zuschauer Déjà-vus auslösen. Eine der stärksten Szenen ist diejenige, in der die kleine Japanerin Mari einen Tobsuchtsanfall bekommt, weil ihr ein Spiel partout nicht gelingen will - Frustrationstoleranz gehört bekanntermaßen nicht zur menschlichen Grundausstattung.
 

Bernd Haasis

20.08.2010 - aktualisiert: 20.08.2010 12:05 Uhr

 


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