Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 02.09.2010
Duell der Magier
Ein tapsiger Streber rettet die Welt
Produzent Jerry Bruckheimer macht aus Disneys Zauberlehrling ein buntes, sinnfreies Stück Kinounterhaltung mit vielen Knalleffekten.
Natürlich müsste dieser Film auf Deutsch "Der Zauberlehrling" heißen, analog zum englischen Titel, der sich auf die legendäre Micky-Maus-Epsiode in Walt Disney"s Meisterwerk "Fantasia" bezieht. Die nämlich steht auch im Zentrum von Jon Turteltaubs Film, der völlig sinnfrei ist, aber ein großer, bunter Kinospaß - wie es Produktionen von Jerry Bruckheimer ("Fluch der Karibik", "Prince of Persia") an sich haben, der hier mit Disney gemeinsame Sache macht.
Die digitale Tricktechnik ermöglicht heute nahezu jede Illusion, und so lassen sich nun auch reale Besen zum Leben erwecken, die außer Rand geraten, im magischen Labor eine Überschwemmung anrichten und den putzfaulen Zauberlehrling in die Tiefe zu reißen drohen - bis der Meister gerade rechtzeitig zurückkommt und den Spuk beendet. Visuell lässt Turteltaubs Film nichts zu wünschen übrig, die Magier duellieren sich nicht nur mit Plasmabällen, sondern erwecken auch Karnevalsdrachen in Chinatown zu feurigem Leben und einen Gargoyle, einen jener vogelfratzigen Wasserspeier an den Skyscrapers von New York.
Das ist auch bitter nötig, denn die Bilder müssen von einer hanebüchenen Geschichte ablenken: Zerstrittene Lehrlinge der Zauberlegende Merlin ringen um die Zukunft der Menschheit, der eine, Maxim Horvath, möchte die weltenverschlingende Hexe Morgana Lefay wiederbeleben, der andere, Balthasar Blake, dies unbedingt verhindern - dazu aber bedarf es eines Auserwählten, den Blake ausgerechnet im Physik-Streber Dave zu finden glaubt. Der ist nicht nur tapsig und unpopulär, sondern auch zum ersten Mal richtig verliebt.
Es ist leicht, sich an solchem Unsinn zu verheben, doch Turteltaub und seine Produzenten haben es zumindest geschafft, Spannung und Popcorn-Illusion aufrechtzuerhalten. Das liegt nicht zuletzt an einigen der Akteure, denen zuzuschauen einfach Spaß macht. Bei Alfred Molinas Horvath, der sich sehr gewählt ausdrückt und das Heraufbeschwören des Untergangs herrlich spöttisch als Schauspiel inszeniert, kann man es gar nicht erwarten, bis er endlich wieder auftritt. Nicolas Cage als Blake begegnet ihm auf Augenhöhe mit überdimensionierten Zaubergesten und dem Gestus des steten, nicht immer erfolgreichen Bemühens.
Auf der Lehrlingsebene glänzt Toby Kebell ("Rock"n"Rolla") als Horvaths überheblicher Schützling, den seine Dekadenz nachlässig macht. Milchgesicht Jay Baruchel als eigentliche Hauptfigur Dave dagegen strapaziert gehörig die Nerven mit seinem Gezappel und dem ständigen "Woa!"-Geschreie. Würde von so einem wirklich das Wohl der Welt abhängen, wäre es Zeit für die allerletzte Party.
Bernd Haasis
02.09.2010 - aktualisiert: 02.09.2010 14:20 Uhr