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Es fließt in einem Strom

Mercedes startet die Serienfertigung der A-Klasse E-Cell. Das Elektroauto reiht sich komplett in den fließenden Produktionsablauf der Modelle mit konventionellem Verbrennungsmotor ein.

Es sind ein paar zentimeterdicke, grellorangefarbene Kabel, die nicht so recht ins gewohnte Bild passen wollen. Sie winden sich an der noch nicht ganz fertig produzierten A-Klasse von Mercedes im Werk Rastatt aus dem offenen Motorraum und unter dem Unterboden – und sind ein klares Indiz dafür, dass bei diesem Auto das technische Innenleben nicht dem gewohnten entspricht. Während an der Karosserie nichts auf einen Unterschied zu den Modellen der Stern-Marke hindeutet, wie sie bereits zu Tausenden auf den Straßen unterwegs sind, markiert diese A-Klasse doch einen Neuanfang, fast sogar eine Revolution. Sie verfügt über einen Elektroantrieb, fährt damit abgasfrei und hat statt eines Tanks zwei große, schwarze Akkupakete im doppelten Boden der Karosserie gelagert. Komplett fertig montiert, wird äußerlich nur der Schriftzug "E-Cell" auf der Heckklappe auf den außergewöhnlichen Antrieb der A-Klasse hinweisen. In ihrem Innern arbeitet ein 70 kW (95PS) starker Elektromotor, der seine Energie aus zwei großen, flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batterien bezieht. Sie besitzen im Vergleich zu klassischen Nickel-Metallhydrid-Batterien kompaktere Abmessungen und eine um 50 Prozent höhere Energiedichte. In der A-Klasse sollen sie laut Mercedes eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern ermöglichen. An eine 400-Volt-Steckdose angeschlossen, sollen sich die Akkus binnen drei Stunden für weitere 100 Kilometer aufladen lassen.

Mercedes hat sich nun startklar gemacht für die Serienfertigung der Elektro-A-Klasse. Besonders stolz sind die Ingenieure und Planer des Unternehmens darauf, dass sie die Elektroversion komplett in die normale Produktion der A-Klasse integrieren konnten. So wird es zukünftig im Werk in Rastatt keine Rolle spielen, ob am Fließband nun eine Variante mit Benzinmotor, eine mit Dieselmotor oder eben die E-Cell-Version mit Elektromotor aufgereiht ist und gefertigt wird.

Der drehmomentstarke Elektromotor und die Steuerungselektronik der Hochvoltanlage passen genau dorthin, wo gewöhnlich der Verbrennungsmotor sitzt. An der Vorderachse der Elektro-A-Klasse mussten keinerlei Veränderungen durchgeführt werden. Auch bei der sogenannten Hochzeit, dem Zusammenführen von Karosserie und Fahrwerk, ergeben sich keine Änderungen – bis auf die Tatsache, dass der A-Klasse E-Cell in diesem Bereich der Auspuffstrang fehlt. "Lediglich die Integration der Batterie und die Verkabelung erfolgen an einem separaten Arbeitsplatz", erklärt Uwe Reich, Projektleiter Produktion bei Mercedes in Rastatt. Das heißt: Für diese Arbeitsgänge wird die A-Klasse E-Cell aus dem Fertigungsprozess der gesamten Baureihe herausgelöst. In einem separaten Bereich installieren speziell geschulte Mitarbeiter die beiden großen Lithium-Ionen-Batterien im Sandwich-Unterboden des Autos und verbinden sie mit den dicken orangefarbenen Kabeln.

In Rastatt, dem Stammwerk der A-Klasse, wird zunächst ab sofort eine Kleinserie von 500 Exemplaren des Modells mit Elektroantrieb aufgelegt. Kunden in Deutschland können das Fahrzeug über einen Zeitraum von vier Jahren für 900 Euro (ohne Mehrwertsteuer) im Monat leasen – inklusive eines Full-Leasing-Angebots mit Rundum-sorglos-Versprechen. Eine vergleichbare Benzinerversion würde, wie ein Sprecher erklärt, rund 500 Euro kosten – dann allerdings ohne das Komplettpaket. Wie es aussieht, wird die A-Klasse E-Cell überwiegend bei Firmen zum Einsatz kommen. Für den kleineren Smart mit Elektroantrieb konnte Daimler indes auch schon Privatkunden gewinnen, die hierzulande für den modernen Zweisitzer rund 700 Euro Leasingrate zahlen müssen.

Gegenüber der A-Klasse mit Verbrennungsmotor leicht verändert präsentieren sich auch die Instrumente des Elektromodells. Anstelle einer Tankanzeige wird der Fahrer nun über den Ladezustand der Batterie informiert. Nur der Tacho erinnert an die starken Verbrennungsmotoren. Er reicht bis Tempo 240. Für die maximal 150 km/h schnelle A-Klasse mit Elektroantrieb bleibt dies nur ein Wert zum Träumen.

Die Elektroautos kommen

Audi E-Tron
Leistung 230 kW (313 PS) Reichweite 250 km Marktstart erste Fahrzeuge noch 2010, Kleinserienfertigung ab Ende 2012 in Neckarsulm geplant

Nissan Leaf
Leistung 80 kW (109 PS) Reichweite 160 km Marktstart Pilotprojekte in den Ländern USA, Japan, Portugal und Niederlande ab Dezember 2010, Deutschland-Debüt für Ende 2011 geplant, Preis ca. 33000 Euro

Peugeot Ion
Leistung 47 kW (64 PS) Reichweite 150 km Marktstart Ende 2010, Leasing 499 Euro/Monat (weitgehend baugleich mit Mitsubishi I-Miev und Citroën C-Zero)

Tesla Roadster
Leistung 215 kW (292 PS) Reichweite 200 bis 330 km Marktstart bereits in Deutschland erhältlich, Preis 108000 Euro

Renault Kangoo Rapid Z.E.
Leistung 44 kW (60 PS) Reichweite 160 km Marktstart Mitte 2011, Preis noch offen, weitere Elektrofahrzeuge für 2012 geplant
 

Von Ulrich Bethscheider-Kieser

22.09.2010 - aktualisiert: 22.09.2010 10:37 Uhr

 



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