Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 04.11.2010
Buried - Lebend begraben
Vom Ringen nach Luft
Paul Conroy ist in einer extrem misslichen Lage. Als er aus der Bewusstlosigkeit aufwacht, liegt er in einer engen Holzkiste - und die ist irgendwo im Niemandsland vergraben. Das Handy, das er bei sich hat, ist seine einzige Hoffnung. Doch der Akku ist nicht mehr voll, und der Sauerstoff wird langsam knapp. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Rodrigo Cortés' Thriller beginnt mit einer der wohl längsten Schwarzblenden der Filmgeschichte. Und er demonstriert damit bereits von Beginn an, dass es nicht viel braucht, um Spannung aufzubauen. Trotz des bedrückend engen und dunklen Schauplatzes entfesselt Kameramann Eduard Grau eine unglaublich agile Kamera, die wahrhafte Kunststückchen vollführt, um dem Zuschauer das Gefühl der Klaustrophobie eines lebendig Begrabenen hautnah zu vermitteln. Wenig Licht, extreme Detailaufnahmen, ein sehr atmosphärisches Sound-Design, eine perfekt eingesetzte orchestrale Filmmusik - das alles sorgt dafür, dass man selbst irgendwann unfreiwillig beginnt, im Kinosaal nach Luft zu ringen. "Buried" ist unglaublich spannend, aber nichts für Menschen mit Raumangst.
Wolfram Hannemann
04.11.2010 - aktualisiert: 04.11.2010 10:32 Uhr