Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 16.12.2010
Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte 3D
Opulenter Segeltörn
Der dritte Teil der "Narnia"-Saga leidet unter Bildproblemen
Beschaulich wirkt das maritime Bild mit dem großen Segelschiff auf offener See, wie es da an der Wand hängt. Doch dann gießt sich plötzlich das Wasser aus dem Bild heraus ins Zimmer - das magische Land Narnia holt Lucy und Edmund aus dem Nachkriegsengland wieder in seine Parallelwelt. Mit ihren alten Freunden segeln die Geschwister auf der "Morgenröte" in ein neues Abenteuer.
Diesmal gilt es, sieben magische Schwerter zu finden, die zusammengefügt das Böse aus Narnia vertreiben können. Dumm nur, dass ausgerechnet der nervende Cousin Eustace mit an Bord geschwemmt wurde. Wer unheilvolle Nebel, Feuerdrachen, Meerjungfrauen, Seeungeheuer und dergleichen mag, der ist auch im dritten Teil der "Narnia"-Saga bestens aufgehoben.
Regisseur Michael Apted setzt auf visuelle Effekte. Zu sehr vielleicht? Die tiefgründigere Ebene von C. S. Lewis' Buchvorlage, die sich mit spirituellen Fragen und dem Tod beschäftigt, wird in den Hintergrund verdrängt. "Narnia"-Neulingen wird der Einstieg in den zu lang geratenen Film nicht gerade leicht gemacht, es gibt weder Erklärungen noch Rückblicke. Die Ergänzung der bereits bekannten Darsteller um Will Poulter in der Rolle des Eustace erweist sich indes als echter Zugewinn. Der kleine Mime spielt die Kollegen mit seinem miesepetrigen Gehabe glatt an die Wand.Punktabzug gibt es leider für die Optik - noch störender als die in 2-D gedrehten und am Rechner künstlich auf 3-D aufgepumpten Bilder wirkt die Gesamtkomposition. Ständig sind am oberen Bildrand Köpfe ab- und angeschnitten. Hier ist wohl die Umwandlung von 16:9-Material auf volle Cinemascope-Breite missglückt.
Wolfram Hannemann
16.12.2010 - aktualisiert: 16.12.2010 10:46 Uhr