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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 30.12.2010

Last Night

Stoff für die Bühne

Ein dialoglastiger Film über das Dauerthema Seitensprünge
 

Verstohlene Blicke, anregende Gespräche - läuft da etwas zwischen ihrem Mann Michael und dessen attraktiver Kollegin Laura? Auf einer Party schöpft Joanna Verdacht; noch in derselben Nacht macht sie ihm eine Szene. Ist es doch ausgerechnet jene Kollegin, die Michael am nächsten Morgen auf eine Dienstreise begleiten wird. Michael geht, der Verdacht bleibt. Da läuft Joanna plötzlich ihrer alten Liebschaft Alex in die Arme. Ihr angeknackstes Vertrauen und Alex" unwiderstehlicher Charme führen Joanna in große Versuchung.

Stellt erst eine Affäre einen Vertrauensbruch dar, oder ist bereits das wiederkehrende Gefühl für eine verflossene Liebe ein Verrat am Partner? In ihrem Film widmet sich Massy Tadjedin, die nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat, einem Thema, das so alt ist wie die Menschheit selbst: dem Seitensprung. Dabei beweist sie inszenatorisch leider kein glückliches Händchen. Denn aufgrund begrenzter Räume und sehr vieler Dialoge mutet ihr Film eher wie ein verfilmtes Theaterstück an. Zudem wirkt sich das voll ausgefahrene Cinemascope-Format unvorteilhaft auf die Intimität der Geschichte aus.

Überzeugend hingegen ist der Großteil der Besetzung. Keira Knightley ("Abbitte") als Ehefrau Joanna verkörpert deren Zerrissenheit zwischen Treue und Versuchung hervorragend. Der französische Star Guillaume Canet ("Zusammen ist man weniger allein") als ihr Ex-Lover, der erneut sein Glück versucht, fasziniert ebenso wie Eva Mendes ("Hitch - Der Date Doctor"), die es als ungehemmte Verführerin auf Sam Worthington abgesehen hat. Letzterer allerdings, in "Avatar" als verletzter Marine passend besetzt, ist hier ein Problem: Sein nicht vorhandenes Mienenspiel macht es extrem schwierig, ihm den Ehegatten unter Verdacht und das potenzielle Verführungsopfer abzukaufen.

Fazit: ein interessantes Thema, für die Kinoleinwand aber leider nicht optimal umgesetzt.
 

Wolfram Hannemann

30.12.2010 - aktualisiert: 30.12.2010 10:12 Uhr

 


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