Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 05.01.2011
Der Auftragslover
Es fehlt der französische Esprit
Romantische Komödien dürfen vorhersehbar sein, sollten aber ein paar Überraschungen bieten
Der gut aussehende Alex tut das, wofür ihn viele Männer wahrscheinlich beneiden: Er verführt Frauen gleich reihenweise, und das von Berufs wegen! Denn es gilt, die unmittelbar bevorstehende Hochzeit seiner Opfer zu verhindern. Und so enttarnt er im Auftrag von Eltern, Geschwistern oder Freunden den jeweils Auserkorenen als den größten Fehler im Leben der jungen Frauen, indem er ihre Liebe gewinnt und sich dann aus dem Staub macht. Doch als er die Hochzeitspläne der attraktiven jungen Juliette durchkreuzen soll, passiert das Unvermeidliche: Alex verliebt sich in die Tochter aus reichem Hause.
Wenn die Zuschauer bereits von Beginn an wissen, wie eine romantische Komödie enden wird, so muss das nicht prinzipiell verhindern, dass sie sich dennoch gut unterhalten; umso wichtiger wäre es allerdings, dass die Filmemacher ihnen wenigstens ein paar nette Überraschungen auf dem Weg zum Happy End einbauen. In dieser Hinsicht herrscht in Pascal Chaumeils Streifen gähnende Leere - er versteht sich vor allem auf eines hervorragend: das gepflegte Dahinplätschern. Keine Spur von jener Prise beschwingten Esprits, mit der die Franzosen ihre Geschichten oft so vortrefflich zu würzen verstehen. Weder die sympathischen Darsteller noch die attraktiven Schauplätze an der Côte d'Azur können das kompensieren.
Spätestens wenn Juliettes mannstolle Freundin auftaucht oder Alex gar Tanzeinlagen in bester "Dirty Dancing"-Manier aufs Parkett legt, ist es vorbei mit der Romantik. Denn diese Zutaten sind unschwer als Versuch zu erkennen, eine missglückte Komödie zu retten.
Wolfram Hannemann
05.01.2011 - aktualisiert: 05.01.2011 11:49 Uhr