Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 13.01.2011
We want Sex
Rita macht strahlen
Ein erhebender Film über einen Streik englischer Arbeiterinnen
Es reicht! Nicht genug damit, dass sie in einer vollkommen heruntergekommenen Fabrikhalle Autositze zusammennähen müssen, jetzt werden die 187 Frauen, die Autoriese Ford in seinem gigantischen Werk im englischen Dagenham beschäftigt, auch noch degradiert, nicht nur verbal: "Ungelernte Arbeiterinnen" sollen sie auf einmal sein, nur um bei den Löhnen zu sparen.
Unter den Fittichen eines gewitzten Gewerkschaftsmannes avanciert ausgerechnet die etwas scheue Rita O"Grady 1968 zum Sprachrohr der Näherinnen. Und so führt sie ihre Kolleginnen in einen Streik, der schon bald eine ganze Industrie lahmlegt. Vom reißerischen deutschen Titel des Films, der eigentlich "Made in Dagenham" heißt, sollte man sich nicht irreführen lassen, er bezieht sich lediglich auf ein nicht ganz ausgerolltes Transparent, das die Frauen während ihres Streiks präsentieren: "We want Sex (Equality)!"
Jener Streik der 187 Frauen hat sich tatsächlich zugetragen und gilt heute als Meilenstein im Kampf um die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz. Dass man aus so einem Ereignis einen wirklich guten Film entwickeln kann, beweist der englische Regisseur Nigel Cole ("Kalender Girls", "Grasgeflüster") mit sicherem Gespür für sein exzellentes Ensemble und einem stimmigen Ambiente. Von den Hauptrollen bis hin zu den kleinsten Nebenrollen passt alles perfekt. Sally Hawkins brilliert als Rita, die sie sehr glaubhaft mit dem Gestus der Unsicherheit ausstattet, und Bob Hoskins ist einfach köstlich als der ihr zur Seite stehende, väterliche Gewerkschaftler.
Perfekt sind auch Ausstattung und Farbgebung, die dem Film ein authentisches Zeitkolorit verleihen und so die 1960er Jahre wieder zu vollem Leben erwecken. Ein rundherum gelungener Film, der es am Ende schafft, jenen unerschütterlichen Kampfgeist der Frauen auf die Zuschauer zu übertragen, und sie freudestrahlend und hoffnungsfroh wieder in die Realität entlässt.
Wolfram Hannemann
13.01.2011 - aktualisiert: 13.01.2011 13:47 Uhr