Die Fahrt zum Olpopongi Village wird zu einer Safari. Das Wort bedeutet Reise in der Landessprache Kisuaheli. Und wer sich zwei Autostunden nordöstlich von Arusha in die tansanische Savanne begibt, der muss sich auf eine ziemlich ruckelige Safari gefasst machen. Der Landrover bockt und röhrt, er tut sich schwer auf dem von Hitze und Wind zerfressenen Grund. Ein massiger Kilimandscharo und der dunkle Kegel des Mount Meru weisen den Weg.
Vereinzelt tauchen rot-blau leuchtende Punkte auf dem hellen Braun der Buschlandschaft auf. Massai, gekleidet in der traditionellen Shouka, deren Farbe die Löwen abschrecken soll. Manchmal sind es Kinder, die die grasenden Tiere ihres Stammes hüten.
Auch Kimani Mollell, der zur Begrüßung aus dem Olpopongi-Runddorf auf die Gäste zueilt, trägt das auffällige Gewand der Massai. Kimani ist ein Warrior. Ein erwachsener Krieger, der sich auf seinen dunklen Holzstock stützt. Seine Füße stecken in einfachen Schuhen, herausgeschnitten aus alten Lkw-Reifen. "Zum Check-in geht es hier herüber", bittet er in klar verständlichem Englisch. Die Rezeption des Motel Massai ist in der ersten Lehmhütte am Rande des Runddorfes.
Über Hunderte von Jahren zogen die Massai als Nomaden durch Ostafrika. In der kargen Savanne wird für das Kriegervolk das Halten seiner Rinder- und Ziegenherden immer beschwerlicher. Johnson, ein 40-jähriger Krieger vom Kimanis-Stamm, suchte nach einer Möglichkeit, sein Volk am wachsenden Tourismus teilhaben zu lassen. Tom Kunkel, im Spessart aufgewachsen und längst in Tansania zu Hause, ist seit vielen Jahren mit ihm befreundet. "Eigentlich wollte ich Johnson nicht helfen. Ich befürchtete, dass sich das Leben des Tinga-Tinga-Volkes dadurch verändern würde." Doch Afrika-Kenner Kunkel fand eine sinnvolle Lösung: "Ich bat die Massai um ein Stück Land, und wir bauten Olpopongi. Ein Dorf, das exakt wie das ihre aufgebaut ist." Wer die Kultur der Massai erleben will, liegt da richtig. Im Motel Massai werden Touristen beherbergt, ohne dass die Durchreisenden das traditionelle Leben in den benachbarten Massaidörfern auf den Kopf stellen. Seit einem Jahr ist der Olpopongi-Kral fertig. Kimani Mollell händigt den Reisenden die Schlüssel aus. Tembo (Elefant) oder Simba (Löwe) lauten die Namen auf den Holztafeln der kleinen Lehmhütten, bei deren Betreten man den Kopf einziehen sollte. Im Innern ist es stockdunkel. Der schmale Eingangsraum mündet in zwei kleine Schlafkammern mit winzigen Sehschlitzen. Im Massaidorf nebenan teilt sich eine Familie mit zehn, zwölf Personen diese Räume. Dem Gast im Olpopongi gebührt der Luxus, eine Lehmhütte ganz für sich zu haben.
"Die Hütten bauen wir aus Kuhdung und Lehm, den wir um die Wände aus Olpopongihölzern streichen", erzählt Kimali später. Riechen tut man das natürliche Baumaterial übrigens nicht. Die Dächer bedecken die Massai mit dem Gras der Savanne. Jedes Jahr kommt eine neue Schicht drauf.
Anders als in den traditionellen Dörfern hat das Olpopongi ein Freiluftbadezimmer mit richtigen Toiletten. "Die Massai schmissen einfach ein totes Huhn in den unterirdischen WC-Siphon", erzählt Kunkel, die Haare widerspenstig, das sommersprossige Gesicht von der Sonne gezeichnet. "Wenn der Kadaver zerfällt, dann entstehen Bakterien, die auch das Abwasser zersetzen. Eine afrikanische Biotoilette."
Abends wird es für den kenianischen Koch Zeit, den Grill anzumachen. Kisika macht durch schnelles Drehen eines Holzes und etwas trockenem Elefantendung Feuer. "Dieser Rauch ist ein Heilmittel gegen Kopfschmerzen" erklärt er. "Morgen", sagt er, "bei der Fußpirsch erzähle ich mehr darüber." Eine Fußsafari mit den Massai ist im Übernachtungspaket enthalten. Bei dieser Wanderung zeigen die Krieger, wie ein Warrior den tödlichen Speer zum Schutz vor Löwen wirft. Und sie bringen den Reisenden bei, die Spuren der Giraffen im Sand zu lesen.
Am abendlichen Lagerfeuer werden Fleischspieße geröstet, dazu gibt es Knoblauchbrot, mitten in der Savanne. Das Trinkwasser kommt aus Tankwagen, manchmal rollen sie mehrmals im Monat an. Tom Kunkel will das ändern. "Von den Einnahmen des Olpopongi bohren wir einen Brunnen, der auch die Dörfer ringsum versorgt."
Zum Fleisch gibt es Ugali, einen weißen Maisbrei. Die Massai essen davon nur einmal am Tag: "Meist trinken wir Rinderblut, das wir mit Milch vermischen", sagt Kisika. Dafür wird einem Tier ein Pfeil aus nächster Nähe in die Halsarterie geschossen. Das sprudelnde Blut landet in einer Kalebasse. Anschließend verschließt der Krieger die Wunde des Rinds mit Asche und Dung.
Als sich der Reisende spät vom Lagerfeuer erhebt, rufen ihm die Massai "Good Night" hinterher. Die Krieger bleiben draußen, sie wachen nachts über das Dorf. Das harte Lager in der Lehmhütte erweist sich als gewöhnungsbedürftig. Ein Massaibett besteht aus Reisig, einer Isomatte und einem derb gegerbten Kuhfell. Die harte Tierhaut macht in der Nacht knisternde Geräusche. Verglichen mit dem Sound von draußen ist das gar nichts. Es knackt und raschelt im Busch. Die Hunde im Nachbarkral schlagen aufgeregt an. Hyänen sind um die Dörfer geschlichen.
In einem traditionellen Runddorf pferchen die Massai nachts in der Mitte des Zirkels ihre kostbaren Rinder ein – zum Schutz vor wilden Tieren. Im Olpopongi aber dient der innere Kreis als ruhiger Frühstücksplatz unter freiem Himmel. Statt einer Zeitung genießt der Reisende den fantastischen Ausblick auf die aufgehende Sonne hinter dem Kilimandscharo. Welche Bestimmung der Besuch bei den Massai auch haben mag, zehn Flugstunden von Deutschland entfernt wird diese Reise zu einer Safari in eine andere Welt.
TansaniaAnreiseEthiopian Airlines fliegt fünfmal pro Woche ab Frankfurt über Addis Abeba nach Kilimanjaro Airport, ab 567 Euro,
www.ethiopianairlines.com. Olpopongi liegt etwa acht Autostunden entfernt. Veranstalter
Diamir Reisen bietet die Übernachtung inklusive Fußpirsch im Olpopongi innerhalb eines mehrtägigen Safariprogramms (Nationalparks Arusha, Tarangiri, Lake Manyara) an,
www.diamir.de. Eine einzelne Übernachtung ist buchbar über: Toku Tanzania Co. Ltd (
www.olpopongi-maasai.com/typo3/), inklusive Fußpirsch und Übernachtung ca. 70 Euro inklusive aller Mahlzeiten, davon gehen zehn Euro direkt an die Massai.
Allgemeine InformationenTansania (945000 Quadratkilometer) ist das größte Land Ostafrikas. Das Olpopongi-Dorf liegt zu Fuße des Kilimandscharo und in unmittelbarer Nähe der Nationalparks Arusha und Tarangiri. Die offizielle Website des Tanzania Tourist Board bietet Infos über Tansania-Reisen und Unterkünfte,
www.tanzaniatouristboard.com.
EinreiseDer Reisepass muss mindestens sechs Monate gültig sein. Deutsche Staatsangehörige benötigen zur Einreise ein Visum, das am Flughafen gegen eine Gebühr von 50 US-Dollar ausgestellt wird.