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Ingenieure im Consulting

Wanderer zwischen den Welten

Stuttgart - Volker Darius wechselte vom Hörsaal direkt in die Beratung. Der 28-jährige Ingenieur der Technischen Informatik wusste, was er wollte. "Ich habe während des Studiums Internetlösungen für Unternehmen entwickelt und implementiert. Die Aufträge haben mir deutlich gemacht, dass ich gerne berate, rechts und links schaue.” Während zweier Industriepraktika stellte er fest, dass Ingenieure dort zwar oft Spezialisten in einem Fachthema sind, ihnen aber häufig der Kontext fehlt. "Ich will das große Ganze verstehen, am besten in einem starken Team, das im internationalen Umfeld agiert,” so Darius.

Seit gut zwei Jahren arbeitet er nun als Berater bei Capgemini Consulting in Berlin. Capgemini ist eine Management- und IT-Beratung mit rund 100.000 Mitarbeitern in über 35 Ländern. Eine der vier strategischen Geschäftseinheiten ist Capgemini Consulting, dort hat Darius weltweit etwa 4000 Kollegen. Ungefähr jeder fünfte Berater in Deutschland ist Ingenieur. Jedem Einsteiger werden in Trainings die notwendigen Beratungsskills vermittelt, Ingenieuren außerdem betriebswirtschaftliche Kenntnisse, darüber hinaus besteht die Möglichkeit zum berufsbegleitenden MBA, und in Trainings wird an Fallbeispielen geübt. Parallel dazu arbeiten junge Berater mit erfahrenen Kollegen in konkreten Projekten. "Dort habe ich am meisten gelernt”, sagt Darius.

Zuletzt war er für einen Auftrag in Serbien. Die Firma macht Verluste und beauftragte Capgemini Consulting damit, die Wende einzuleiten. "Häufig werden wir gerufen, wenn es schon lichterloh brennt. Wir kommen mit einem externen Blick auf die Dinge und der Erfahrung aus ähnlich gelagerten Fällen. In kürzester Zeit müssen wir eine riesige Menge an Informationen aufnehmen, bewerten und Lösungen liefern,” erzählt Darius. Ingenieure würden sich dafür besonders eignen, weil sie es gelernt hätten, analytisch und strukturiert zu denken und lösungsorientiert zu handeln.

Darius schätzt es, schon in jungen Jahren Großes bewegen zu können, jedes Projekt ist für ihn eine neue Herausforderung. Dass er dafür unter der Woche meist aus dem Koffer leben muss, ist für ihn ein Wermutstropfen, den er wissend in Kauf nimmt: "Ich bin überzeugt, dass kein Ingenieur seinen Alltag hinter dem Schreibtisch verbringen kann. Raus müssen alle, und in der Beratung bekommt man sehr viel von der Welt mit.” Und man sollte nicht vergessen, dass die Beratung häufig ein Sprungbrett für die Karriere ist: Viele der Berater wechseln in Führungspositionen beim Kunden. Heute der Mitarbeiter, morgen der Kunde: diese Denke ist Teil des Geschäftsmodells.

Zwischen Januar und Oktober 2010 hatte jedes 14. Stellenangebot seinen Ursprung in einem Beratungsunternehmen oder Finanzdienstleister. Zu diesem Ergebnis kommt der Personaldienstleister Adecco in seinem Stellenindex. Von den rund 45 000 Offerten richteten sich etwa 6300 an Ingenieure und Informatiker. Damit sind diese beiden Berufsgruppen die am meisten gefragten in der Beratung und bei Finanzdienstleistern. Dass sich der hohe Einsatz finanziell lohnt, hat der Vergütungsspezialist Personalmarkt herausgefunden. Nach Informationen des Unternehmens verdienen Ingenieure bei Beratungsfirmen mit 56 000 Euro im Schnitt rund 5000 Euro mehr als ihre Kollegen in der Industrie.

"Ingenieure reden gern in ihrer Sprache"

Capgemini will im Consulting-Bereich in Deutschland etwa 180 neue Mitarbeiter einstellen, darunter 30 bis 40 Ingenieure. Dem Unternehmen geht es dabei weniger um bestimmte Studienrichtungen als vielmehr um passende Profile. "Bei uns sind Ingenieure häufig das Bindeglied zwischen den Prozessfachleuten auf der Kundenseite und dem Berater-Team. Ingenieure reden gern in ihrer Sprache miteinander, was die Zusammenarbeit vereinfacht. Sie sind der Wandler zwischen den Welten”, beschreibt Dr. Michael Schulte die Rolle von Ingenieuren bei Capgemini Consulting. Schulte, selbst Maschinenbau-Ingenieur, ist Chef der Beratungssparte hierzulande. Er ist nach seiner Promotion im Bereich Produktionstechnik ins Consulting eingestiegen. "Es erschien mir damals ein logischer Schritt, um die analytische und technische Problemlösungskompetenz auf die gesamte Betrachtung von Prozessen auszuweiten.” Diese Verbindung reizt ihn heute noch, auch wenn sich sein Tätigkeitsfeld stark verändert hat. "Heute beschäftige ich mich mit der immer stärkeren Vernetzung von moderner Technologie und Geschäftsmodellen, also der digitalen Transformation von Unternehmen.” Das sind Trendthemen, mit denen viele Berater im Alltag zu tun haben.
 

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