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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.03.2011

In einer besseren Welt

Von Rache und Gerechtigkeit

Moralische Grenzsituationen: Ein dänischer Entwicklungshelfer kämpft zu Hause mit Problemen
 

Anton kämpft an zwei Fronten. Im fernen Afrika ringt er als Arzt um jedes Menschenleben, in der dänischen Heimat um seine Ehe mit Marianne. Darunter leidet der älteste Sohn der beiden, der zwölfjährige Elias, und wird zum perfekten Mobbing-Opfer seiner Mitschüler.

Das ändert sich, als der gleichaltrige Christian sich seiner annimmt. Aber auch er hat unbewältigte persönliche Probleme - denn den Tod seiner kürzlich verstorbenen Mutter, für den er seinem Vater die Schuld gibt, hat er noch längst nicht verarbeitet. Christian und Elias werden Freunde, doch bald schon schlägt diese Verbindung eine gefährliche Richtung ein.

Einmal mehr hat sich die dänische Erfolgsregisseurin Susanne Bier ("Nach der Hochzeit") mit ihrem nicht minder gefragten Autorenkollegen Anders Thomas Jensen ("Brothers - Zwischen Brüdern") verbündet, um eine Geschichte über emotionale und moralische Grenzsituationen auf die Leinwand zu bringen. In spannender Weise versucht sich der Film an der Frage, ob Gewalt mit Gegengewalt bekämpft werden kann.

Diesem Konflikt ist Anton ausgeliefert. Soll er dem brutalen afrikanischen Menschenschlächter "Big Man" ärztliche Hilfe versagen, während er gleichzeitig seinen eigenen Sohn lehrt, auch die andere Wange hinzuhalten und der Rache abzuschwören? Großen Anteil beim Gelingen der filmischen Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Rache und Gerechtigkeit hat Susanne Biers handverlesenes Ensemble. Allen voran Mikael Persbrandt ("Kommissar Beck"), dem der schwere Gewissenskonflikt, den er als Arzt Anton austragen muss, wahrhaftig ins Gesicht geschrieben steht. Auch Ulrich Thomsen ("Adams Äpfel") überzeugt als Christians Vater, der keinen Zugang mehr zu seinem Sohn findet, weil der ihn als einen "Aufgeber” einstuft. Und nicht nur die Erwachsenen, sondern ganz speziell auch die vorzüglichen Kinderdarsteller (Markus Rygaard, William Jøhnk Nielsen) wirken sehr echt und keinesfalls aufgesetzt.

Formal setzt der Film auf einen dokumentarischen Charakter, was sich in leicht unscharfen und grobkörnigen Bilder manifestiert sowie in einem eigenwilligen Filmschnitt, der etliche Szenen in Reality-TV-Manier rafft und dadurch Authentizität suggeriert.

Susanne Biers mit einem Golden Globe und dem Auslands-Oscar prämiertes Melodram fesselt die Zuschauer mit seiner emotionalen Wucht, ohne je kitschig zu werden.
 

Wolfram Hannemann

17.03.2011 - aktualisiert: 17.03.2011 11:03 Uhr

 


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