Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.03.2011
The Rite - Das Ritual
Altbekannte Verrenkungen
Zum Thema Exorzismus ist alles gesagt - aber noch nicht von allen
Nach vier Jahren Priesterausbildung will der gelernte Leichenbestatter Michael Kovac (Colin O'Donoghue) eigentlich das Handtuch werfen. Denn nach wie vor zweifelt er an der Existenz Gottes. Damit er seinen Entschluss noch einmal überdenken kann, schlägt ihm sein Mentor eine Dienstreise nach Rom vor. Dort soll er an einer Exorzistenausbildung im Vatikan teilnehmen. Der erfahrene Exorzist Vater Lucas (souverän: Anthony Hopkins) nimmt ihn unter seine Fittiche und lässt ihn beim Exorzismus an einer jungen Frau teilnehmen - mit weitreichenden Konsequenzen.
Grünen Schleim oder sich um die eigene Achse drehende Köpfe fährt Mikael Håfström in seinem düsteren Exorzismus-Thriller zwar nicht auf, aber er verlässt sich trotzdem auf bewährten Hollywood-Zauber. Sein Publikum kann er damit nur bedingt schocken, denn dafür werden einfach zu viele altbekannte Klischees bedient: Das Mädchen verrenkt sich wider alle physikalischen Gesetze und spuckt die Nägel, mit denen Christus ans Kreuz genagelt wurde.
Wenn Zweifler Michael am Ende des Films durch die Begegnung mit dem Satan zum wahren Glauben und seiner eigentlichen Bestimmung findet, dann ist das immerhin ein neuer Aspekt. Alles andere war schon - besser - in William Friedkins Klassiker "Der Exorzist" (1973) zu sehen.
Wolfram Hannemann
17.03.2011 - aktualisiert: 17.03.2011 11:05 Uhr