Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 08.04.2011
Womb
Wenn die Geliebte zur Mutter wird
Einsam sitzt die gealterte Rebecca auf der Veranda ihres Pfahlhauses am Meer. Sie ist schwanger und erzählt rückblickend ihre Geschichte. Mit dieser Eröffnung nimmt Benedek Fliegauf zwar das Ende schon vorweg, doch eröffnet sich dem Zuschauer die wahre Dimension erst ganz am Schluss. Rebecca und Thomas sind unsterblich verliebt, doch das junge Glück wird jäh zerstört, als Thomas bei einem Unfall ums Leben kommt. In ihrer Trauer fasst Rebecca einen folgenschweren Entschluss: Mittels einer DNA-Probe von Thomas lässt sie sich künstlich befruchten und trägt Thomas' Klon aus.
Auch wenn sich der Film mit seinem brisanten Themenkomplex nicht immer streng an die Wissenschaft hält, wirft er dennoch wichtige Fragen auf. Absolut brillant ist er in technischer Hinsicht: Die kristallklaren Cinemascope-Bilder von Chefkameramann Peter Szatmari entlarven die scheinbare Idylle des Pfahlhauses als Albtraum. Die fast betörenden Motive sprechen für sich und gestatten der sehr präzisen Tonspur den weitgehenden Verzicht auf Filmmusik.
Wolfram Hannemann
08.04.2011 - aktualisiert: 08.04.2011 15:51 Uhr