Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 21.04.2011
Das Hausmädchen
Koreanischer Chabrol
Hübsch, aber kindlich-naiv. So tritt Eun-yi ihre Stelle als Hausmädchen bei einer reichen Familie an. Da die Dame des Hauses mit Zwillingen schwanger ist, soll sie sich vornehmlich um deren kleine Tochter kümmern. Bald schon beginnt der Herr des Hauses eine leidenschaftliche Affäre mit dem Dienstmädchen. Als sie ungewollt schwanger wird, schwebt nicht nur das Leben ihres ungeborenen Kindes, sondern auch ihr eigenes in höchster Gefahr. In opulenten Cinemascope-Bildern schildert der koreanische Regisseur Im Sang-soo in seinem sinnlich-erotischen Thriller den nicht zu bremsenden Sog, in den die Protagonisten durch die Ankunft des Hausmädchens hineingezogen werden. Für den europäischen Geschmack etwas langatmig inszeniert, erinnert der Film dennoch an die feinsinnige Gesellschaftskritik eines Claude Chabrol. Die arme Eun-yi lernt eine Welt des absoluten Luxus kennen, in der sie zum Spielball der Reichen wird - symbolisch zum Ausdruck gebracht im verstörend wirkenden Prolog und Epilog des Films. Hier die Armen, dort die Reichen - Bewohner des selben Landes, die einander nie begegnen.
Wolfram Hannemann
21.04.2011 - aktualisiert: 21.04.2011 10:31 Uhr