Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 05.05.2011
Scream 4
Besser als das Original
Wes Craven reflektiert augenzwinkernd das Horrorgenre
Die Protagonistin bringt es auf den Punkt: "Wenn du eine Fortsetzung machst, dann muss sie das Original übertreffen!" Und genau das ist es, was Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor Kevin Williamson 15 Jahre nach ihrem bahnbrechenden Slasher "Scream" mit der neuesten Fortsetzung tun: Sie toppen das Original!
Viele Jahre sind vergangen, seit der grausame Killer Ghostface das Örtchen Woodsboro mit Leichen nur so übersät hat. Mit einem Bestseller über ihre Erlebnisse kehrt die damals nur knapp dem Tod entronnene Sidney wieder in die alte Heimat zurück. Da dauert es nicht lange, bis die Mordserie von neuem beginnt. Und eines scheint ganz sicher: Der Killer hat es wieder auf Sidney abgesehen.
Bereits mit ihrer genialen Eröffnungssequenz machen die Filmemacher klar, worum es ihnen geht: Hier wird augenzwinkernd über ein ganzes Filmgenre reflektiert. Da schauen sich zwei Mädchen im Wohnzimmer einen Horrorfilm an; unmittelbar nach einem mysteriösen Telefonanruf werden die beiden plötzlich von Ghostface attackiert. Schnitt. Anderes Wohnzimmer, andere Mädchen, auch sie schauen sich einen Horrorfilm an. Jetzt begreift man: Die erste Szene war nur ein Ausschnitt aus dem Film, den das zweite Paar anschaut!
Ob es solche ironischen Selbstzitate sind oder Diskussionen über Remakes oder gar philosophische Betrachtungen zu "Torture Porn" ("Folter-Pronografie") - "Scream 4" dürfte ganz speziell Horrorfans begeistern. Denn trotz der vielen sarkastischen Einlagen bleibt der Film konsequent spannend und extrem blutig. Da erscheint die Freigabe ab 16 Jahren doch mehr als zweifelhaft.
Wolfram Hannemann
05.05.2011 - aktualisiert: 05.05.2011 10:39 Uhr