Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 11.07.2011
The Company Men
Führungsriege in der Krise
Einzelschicksale nach einer amerikanischen Firmenpleite
Es ist ein schwarzes Jahr für Amerika und den Rest der Welt. 2008 bahnt sich die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit ihren Weg durchs Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Tausende verlieren ihren Job. Sogar in der Führungsriege des GTX-Konzerns beginnt es zu bröckeln, und Sparmaßnahmen verfrachten auch Manager quasi über Nacht auf die Straße.
Einer von ihnen ist Bobby. Der Mittdreißiger hat alles, was den US-amerikanischen Traum ausmacht: ein kleines Haus, zwei reizende Kinder, eine hübsche Frau, einen Porsche in der Garage und die Mitgliedschaft im elitären Golfclub. Der Jobverlust bedeutet für ihn eine Niederlage, die er sich nicht eingestehen kann und will, und Ben Affleck stattet ihn mit der dazu notwendigen Arroganz aus. Chris Cooper verkörpert das Firmen-Urgestein Phil, in dessen Gesicht sich deutlich ablesen lässt, dass er erledigt und Alkohol nur der Anfang vom Ende ist. Tommy Lee Jones gibt Gene, ein hohes Tier, dessen Affäre mit der Personalchefin ihn vor der Kündigung nicht schützt, und ihm genügen seine Stirnfalten, um die vollkommene Desillusionierung zu reflektieren.
John Wells' Film zeigt in Einzelschicksalen Reaktionen auf den Jobverlust und stellt gleichzeitig den Stellenwert von Arbeit in der heutigen Gesellschaft zur Diskussion. Das handverlesene Schauspielerensemble hilft ihm dabei, die unterschiedlichen Möglichkeiten und Situationen zu beleuchten. Leider merkt man dem Regisseur seine lange Tätigkeit fürs US-Fernsehen an, wo er unter anderem für Erfolge wie "The West Wing" verantwortlich zeichnete. Seine Bilder werden sicherlich den Ansprüchen des Bildschirms gerecht, nicht aber der großen Leinwand.
Wolfram Hannemann
11.07.2011 - aktualisiert: 11.07.2011 10:23 Uhr