Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 18.08.2011
Filmkritik
Sommer in Orange
"Das sind alles Satanisten!" Wie ein Lauffeuer verbreitet sich das Gerücht in dem idyllisch gelegenen Dorf Talbichl, als sich 1980 eine orange gekleidete Bhagwan-Kommune in einem leerstehenden Bauernhof einnistet. Tatsächlich möchte die freie Liebe praktizierende, flippige Gemeinschaft dort nur ein Therapiezentrum im Geiste ihres Gurus errichten. Die kleine Lili, die mit ihrem jüngeren Bruder und ihrer Mutter der Kommune angehört, leidet sehr unter ihrer Außenseiterrolle. Viel lieber würde sie der spießigen Dorfgemeinschaft angehören. Heimlich meldet sie sich und ihren kleinen Bruder bei einem der Ortsvereine an. Marcus H. Rosenmüller, seit "Wer früher stirbt ist länger tot" auf Geschichten aus der bayerischen Heimat abonniert, zeigt auch hier, was er am besten kann: den schrulligen Eigenheiten der Landbewohner auf den Leib rücken. Ob der Bürgermeister des Ortes oder die neugierige Nachbarin (die gegen Ende des Films alle Lacher auf sich zieht!) - über ihre Fremdenfeindlichkeit darf herzhaft gelacht werden. Im Kontrast dazu gibt es leider in diesem zu lang geratenen Zusammenprall der Kulturen allerdings weite Passagen, die ganz und gar nicht lustig sind. Etwas kürzer und weniger ernst hätte das eine richtig gute Komödie werden können.
Wolfram Hannemann
18.08.2011 - aktualisiert: 18.08.2011 11:02 Uhr