Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 15.09.2011
Easy Money
Im Strudel der Gewalt
Der erste Teil einer harten schwedischen Gangster-Trilogie macht Lust auf mehr.
Krimis aus Skandinavien haben Hochkonjunktur, nicht erst seit der Verfilmung von Stieg Larssons „Millennium”-Trilogie, die allerdings als Erste den Sprung auf die große Kinobühne gewagt hat. Fast immer steht man in diesen Geschichten als Leser oder Zuschauer zwangsläufig auf der Seite des Gesetzes. Ganz anders in Daniel Espinosas Film, der sich ausschließlich im Stockholmer Unterwelt-Milieu bewegt und der Polizei keinen Platz einräumt.
Johan Westlund, kurz JW genannt, ist ein brillanter Student der Wirtschaftswissenschaften. Geld bedeutet dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Jungspund alles. Denn hat man genügend Kohle, kann man mit den neureichen Kommilitonen durch angesagte Clubs ziehen und sich sogar eine teure Freundin leisten. Doch mit nächtlichen Taxifahrten allein lässt sich so ein Lebensstil nicht finanzieren. Deshalb erledigt JW schon mal gerne kleine, gut bezahlte Sonderaufträge für seinen Chef. Dass die nicht immer ganz legal sind, kümmert ihn wenig. Als ihm schließlich ein ganz großes Geschäft vorgeschlagen wird, kann der Student nicht widerstehen - zu sehr lockt das große Geld. Unmerklich wird er immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und Kokain gerissen.
Mit der spektakulären Flucht aus einem Gefängnis eröffnet Espinosa den ersten Teil seines als Trilogie geplanten Thrillers. Diese brillant inszenierte Sequenz gibt sogleich das Tempo für die kommenden zwei Stunden vor. Mit raffiniert ineinander ver-schachtelten Szenenübergängen und einem dokumentarisch wirkenden Look werden die Protagonisten nach und nach eingeführt. Eine Stärke des Films liegt dabei in der differenzierten Darstellung der Charaktere, die alles andere als eindimensional sind und sich entwickeln dürfen. Dadurch erscheinen sie sehr menschlich und damit greifbar und glaubhaft.
Geldeintreiber Mrado beispielsweise wird zu Beginn zunächst als eine extrem brutale Kampfmaschine eingeführt, entwickelt sich aber im Laufe des Films zu einem liebevollen Vater, der sich große Sorgen um seine kleine Tochter macht. In seiner Rolle als JW erinnert der Newcomer Joel Kinnaman an den jungen Christophe Lambert. In seinen Augen spiegeln sich Naivität, Ohnmacht und Angst wider. Angst, in eine Sache geraten zu sein, die ihm über den Kopf wächst. Glaubhafte Figuren, eine durchweg spannende Inszenierung, ein grandioser Showdown - das alles macht großen Appetit auf den nächsten Teil dieser harten Gangster-Saga.
Wolfram Hannemann
15.09.2011 - aktualisiert: 15.09.2011 09:21 Uhr