Suche nach Kinofilmen
 
 



Kino-Termine

Dieser Film läuft in folgenden Kinos

 

 

Vorschau ]

zurück


Drucken Versenden
Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 22.09.2011

The Guard - Ein Ire sieht schwarz

Die Beschaulichkeit ist dahin

Ein vor schwarzem Humor strotzender irischer Krimi begibt sich auf eine Reise in die gar nicht idyllischen Abgründe der Grünen Insel
 

Die grüne Insel Irland gilt vielen Deutschen als Idyll und Projektionsfläche großer Träume von Ruhe und Frieden - dabei geht es dort nicht minder ruppig zu als überall sonst auf der Welt. Das führt Regisseur John Michael McDonagh in seiner rabenschwarzen Komödie "The Guard" vor, die gleich mit einem kapitalen Unfall im Auto Schnaps trinkender junger Männern beginnt. Die Überreste begutachtet der Provinzpolizist Gerry Boyle, ein Zyniker, der glaubt, schon alles gesehen zu haben, und freie Tagen gerne mit Huren im Hotel in Dublin verbringt. Als eine Leiche auftaucht und dann noch ein Beamter der US-amerikanischen Bundespolizei FBI, der einen Drogenschmuggler-Ring ausheben will, ist es dahin mit der Beschaulichkeit.

Wie sein Bruder Martin, der die großartige Killer-Groteske "Brügge sehen ... und sterben" (2008) inszenierte und hier als Produzent fungiert, wandelt auch Autor und Regisseur John Michael McDonagh auf den Spuren von Guy Ritchie und Quentin Tarantino. Er spart nicht mit makabren und absurden Situationen, hat dabei aber wie sein Bruder einen sehr eigenen Ton gefunden. Insel-Original Brendan Gleeson, auch in "Brügge" schon dabei, spielt Boyle als übellaunigen Bruddler, der seine Ruhe will und den die Vorgesetzten fürchten wegen seiner rebellischen Ader. Absolut glaubhaft gelingt Gleeson eine große Wandlung, gestützt durch ein gewitztes Drehbuch mit unorthodoxen Wendungen - denn Boyle, der dachte, er kenne seine Pappenheimer, sieht sich mit Verrat auf mehreren Ebenen konfrontiert.

Den afroamerikanischen FBI-Kollegen Wendell Everett bedenkt er mit rassistischen Sprüchen und lässt ihn zunächst im Regen stehen: Don Cheadle ("L.A. Crash") ist die Ratlosigkeit des Aliens ins Gesicht geschrieben, wenn er von Haus zu Haus geht, um kauzige Iren zu befragen, die allesamt nur Gälisch sprechen und so tun, als verstünden sie kein Englisch.

Die drei Gangster sind köstliche Karikaturen: Liam Cunningham gibt den großmäuligen Anführer, der über Druckmittel in besseren Kreisen verfügt, Mark Strong den pragmatischen Verbrecher, der die ganze Welt für ihre Dummheit verachtet und es sie spüren lässt, David Wilmot den krankhaften Mörder mit ungezügelter Aggression und nervösem Abzugsfinger, der dumm genug ist, sich für unverwundbar zu halten.

Eine beinharte Satire auf die menschliche Ignoranz ist McDonagh gelungen bei seinem Ausflug in die Abgründe der Grünen Insel, von denen deutsche Reisende am Traumziel zum Glück nichts ahnen.
 

Bernd Haasis

22.09.2011 - aktualisiert: 22.09.2011 10:34 Uhr

 


Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise