Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 13.10.2011
Die Liebesfälscher
Es wird viel geredet
Ein ominöses Vexierspiel gerät zum anstrengenden Rätselraten
Sein Buch zum Thema "Originale und Kopien in der Kunst" beschert dem Autor James Miller (William Shimell) große Popularität. Nirgendwo aber ist sie so groß wie in Italien, das er auf einer Lesereise durchquert. Beim Zwischenstopp in der Toskana lernt er dabei eine schöne Kunstexpertin (Juliette Binoche) kennen. Die beiden sind sich sofort sympathisch und verabreden sich zu einem Ausflug mit dem Auto.
Die Fahrt in ein malerisches Dorf ist geprägt von heftigen Diskussionen zwischen den beiden, die nicht immer einer Meinung sind. Bei der Einkehr in einem Café glaubt die Besitzerin gar, dass es sich bei den zweien um ein Ehepaar handelt. Haben sich die beiden tatsächlich eben erst kennengelernt und spielen das Ehepaar nur täuschend echt?
Original und Kopie, Realität und Fiktion - das sind die Themen, die der iranische Regisseur Abbas Kiarostami in seinem Vexierspiel behandelt. Sind der Autor und die Kunstexpertin schon seit 15 Jahren verheiratet und stecken mitten in einer schweren Ehekrise, oder ist es nur ein Trugbild? Warum verschweigt die schöne Frau ihrem Begleiter, dass sie bereits einen Sohn hat? Um ihre Chancen auf ein amouröses Abenteuer zu erhöhen, so scheint es - oder tut sie es nur, um die Zuschauer zu irritieren?
Auch am Ende des Films wird man all das vermutlich nicht hundertprozentig wissen. Was sich zunächst nach einem faszinierenden Rätselfilm anhört, entpuppt sich als ein extrem dialoglastiger Sommerausflug. Respekt gebührt dabei den Protagonisten, denen durch die vielen langen Einstellungen höchste Konzentration abverlangt wird. Das geht sogar so weit, dass sie Dialoge rezitieren, während sie selbst Auto fahren. Doch das Rätselraten wird durch das viele Reden und verwirrende Wendungen so anstrengend, dass man sich schnell das Ende des Films herbeisehnt.
Wolfram Hannemann
13.10.2011 - aktualisiert: 13.10.2011 10:33 Uhr