Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 20.10.2011
Cirkus Columbia
Heimkehr aus Rache
Streitereien in Bosnien am Vorabend des Krieges
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs kehrt Regimegegner Divko 1991 nach 20-jährigem Exil wieder in sein Heimatdorf nach Bosnien-Herzegowina zurück. Frau und Sohn hat er damals einfach sitzenlassen, jetzt präsentiert er eine junge Geliebte und den dicken Daimler wie Trophäen. Mit Hilfe loyaler Honoratioren lässt er Frau und Sohn aus seinem Haus entfernen, um sich mit der jungen Azra einzurichten. Während der aufkeimende Balkankrieg bedrohlich näher rückt, funkt es ausgerechnet zwischen Divkos Sohn Martin und Azra.
Regisseur Danis Tanovic ("No Man's Land") schildert in seinem neuen Film das schwierige Mit- und Gegeneinander seiner Landsleute am Vorabend des großen Krieges. Und das mit teils grotesken Situationen: Der extrem egoistische Divko (hervorragend: Miki Manojlovic) sinnt nur auf Rache, hat weder Interesse an der Geliebten noch am Sohn, verweigert die Aussprache mit der Ehefrau, sorgt sich dafür aber umso mehr um seine Katze. Diese Skurrilität kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie deprimierend dieses Drama ist, dessen grausames Ende Tanovic nur andeutet.
Wolfram Hannemann
20.10.2011 - aktualisiert: 20.10.2011 11:49 Uhr