Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.11.2011
Der Fall Chodorkowski
Vom Charisma geblendet
Mit dem Ölkonzern Jukos wurde Michail Chodorkowski zum reichsten Mann Russlands, 2003 hat ihn ein russisches Spezialkommando verhaftet. Ging es dabei um Steuerhinterziehung, wie offiziell verkündet wurde, oder standen dahinter politische Gründe? Das möchte der Berliner Filmemacher Cyril Tuschi in seinem Dokumentarfilm ergründen. Er hat enge Mitarbeiter Chodorkowskis aufgespürt und lässt sie vor der Kamera zu Wort kommen. Doch die vielen Personen machen es mitunter recht schwer, nicht den Faden zu verlieren. Zudem versucht Tuschi, die Politdoku als Thriller aufzuziehen, und verliert beim Springen zwischen Ereignissen und Personen das große Ganze aus dem Blick. Letztendlich erfährt man kaum mehr, als schon bekannt war. Eine kritische Auseinandersetzung mit Chodorkowski findet nicht statt - Tuschi hat sich vom Charisma des Russen blenden lassen.
Wolfram Hannemann
17.11.2011 - aktualisiert: 17.11.2011 10:43 Uhr