Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 24.11.2011
Wandlungen - Richard Wilhelm und das I Ging
Den Wesenskern getroffen
Auf den Spuren von Richard Wilhelm, der chinesische Schriften wie das "I Ging" übersetzt hat
Mit seinem Wirken schlug er eine Brücke von der chinesischen Kultur nach Europa und in den Rest der Welt: Der in Stuttgart aufgewachsene Richard Wilhelm verließ 1899 seine Heimat, um in Fernost Missionar zu werden. Doch der damals 26-Jährige taufte während seiner Jahre in dem für ihn exotischen Land keinen einzigen Chinesen; stattdessen widmete er sich dem Aufbau von Schulen. Gleichzeitig begann er damit, sich mit den großen altertümlichen Schriften der chinesischen Literatur auseinanderzusetzen, mit Konfuzius und Laotse sowie den Texten des Daoismus und des "I Ging", des Buchs der Wandlungen. Deren Übersetzungen machten Richard Wilhelm schließlich weltberühmt.
Bettina Wilhelm, Regisseurin des Films und Enkelin des großen Übersetzers, reist in ihrer Dokumentation auf den Pfaden ihres Großvaters durch China. Sie kennt ihn nicht, da er lange vor ihrer Geburt bereits verstorben war, und versucht, sich auf diese Art und Weise ihm anzunähern. Sie zeigt die Orte, an denen Richard Wilhelm tätig war, und lässt aus dem Off Texte aus seinen Büchern zitieren. Auf wunderbare Weise gelingt es ihr dabei immer wieder, für die zitierten Texte die passenden Bilder zu finden. Kenner der von Wilhelm übersetzten Bücher erläutern, welche Leistung Wilhelm vollbracht hat: Er hat sie nicht einfach übertragen, sondern sich intensiv mit ihnen auseinandergesetzt. Nur so ist zu verstehen, dass er den Wesenskern dieser Werke und insbesondere des "I Ging" getroffen hat.
Eine gut abgestimmte Filmmusik sowie handverlesene zusätzliche Musikstücke runden die Dokumentation ab und machen sie zu einem ganz besonderen Filmerlebnis.
Wolfram Hannemann
24.11.2011 - aktualisiert: 24.11.2011 10:42 Uhr