Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 15.12.2011
Rubbeldiekatz
Vom Glück, eine Freundin zu haben
Matthias Schweighöfer überzeugt als Frau, doch die Travestie kommt nicht recht in Schwung
Was tut ein mäßig erfolgreicher Bühnenschauspieler, um in einem Hollywood-Film mitzuwirken? Alex schlüpft auf Anraten seines Bruders und Managers in Frauenkleider. Als Alexandra bekommt er prompt eine kleine Rolle in einem Nazifilm, den ein Starregisseur in Berlin inszeniert. Und Sarah Voss (Alexandra Maria Lara), in die sich Alex heimlich verliebt hat, erhält die Hauptrolle. Mehr noch: Laut Drehbuch sollen sich die beiden Frauen ineinander verlieben.
„Rubbeldiekatz“ ist Detlev Bucks Antwort auf den US-Klassiker „Tootsie“ (1983), doch anders als beim Vorbild fehlt es dem Film am richtigen Timing. Seinem Titel, der so viel bedeutet wie: „Jetzt mach schon!“, wird er jedenfalls kaum gerecht. Er läuft nach bekanntem Schema ab, „Charlies Tante“ lässt grüßen, und hält kaum Überraschungen bereit. Auch findet er einfach kein Ende, lässt mehrere stimmige Schlusspunkte vorüberziehen und setzt immer noch einen drauf. Zum gefühlten dreistündigen Plätschern gesellen sich inszenatorische Schwächen, etwa die mit „Strangers In The Night“ unterlegte Liebesszene, in der sich Alex und Sarah im Bett tollen. Buck zeigt, dass er auch Erotik inszenieren kann, doch die Szene wirkt im Film wie ein Fremdkörper.
Viel Spaß hingegen macht die Besetzung. Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle ist nicht nur ein verkleideter Mann, der tuntige Travestie zeigt, er gibt sich tatsächlich wie eine Frau. Einmal führt er sogar ein Frauengespräch mit Sarah in einer Bar über den richtigen Typ und das Glück, eine beste Freundin zu haben. Bis in kleinste Nebenrollen brillieren die Darsteller, etwa Milan Peschel als schwuler Kostümbildner oder Max Giermann als verliebter Hitler-Darsteller.
Wolfram Hannemann
15.12.2011 - aktualisiert: 15.12.2011 10:08 Uhr