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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 29.12.2011

Ich reise allein

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr

Ein kurzer handgeschriebener Brief verändert Jarles Leben radikal: Der 25-jährige Student erfährt, dass ein One-Night-Stand vor genau sieben Jahren und neun Monaten nicht ohne Folgen blieb. Charlotte Isabel, kurz Lotte, heißt das hübsche Ergebnis, das jetzt von der Mutter für eine ganze Woche in die Obhut des leiblichen Vaters gegeben wird. Dem Lebemann Jarle passt das ganz und gar nicht, hat er sich doch längst schon an seinen exzessiven Lebensstil mit wilden Partys und schönen Mädchen gewöhnt.

Die norwegische Komödie „Ich reise allein“ (eine Anspielung auf das Schild, das Lotte bei sich trägt, während sie mit dem Flugzeug zu ihrem Vater reist) behandelt ein gängiges Thema sehr rührend. Auch wenn Stian Kristiansens Inszenierung anfangs etwas der Pfeffer fehlt, schließt man doch zusehends die kleine Lotte ins Herz. Dank des wunderbaren Spiels der kleinen Amina Eleonora Bergrem lassen sich die Gefühle nachvollziehen, die den Protagonisten nach und nach dazu veranlassen, sein bisheriges Leben zu überdenken. Wohltuend anders als in Hollywood-Komödien ähnlicher Thematik endet dieser Film – realistisch und trotzdem versöhnlich, aber für den Zuschauer tränenreich. So muss Kino sein.
 

Wolfram Hannemann

29.12.2011 - aktualisiert: 29.12.2011 09:23 Uhr

 


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