Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 12.01.2012
Offroad
Raus aus Geilenkirchen!
Meike ist ein waschechtes Landei. Sie arbeitet im elterlichen Betrieb, wohnt in einem spießigen Dorf und wird bald den karrieregeilen Rechtsanwalt Philip heiraten. Wäre da nicht ihr großer Traum, einmal quer durch die Sahara zu düsen. Den passenden Jeep dafür hat sie soeben ersteigert – sehr zum Missfallen ihres untreuen Verlobten. Da kommen die 50 Kilo Kokain, die sie im Jeep findet, gerade recht. Meike fasst einen folgenschweren Entschluss: nichts wie raus aus Geilenkirchen! Ihre ersten Gehversuche als Drogendealerin scheitern gewaltig, da lernt sie den feschen Salim kennen. Am Anfang und Ende ist Meikes Stimme aus dem Off zu hören: "Ich bin eine durchschnittliche junge Frau."
Und das in einem unterdurchschnittlichen Film, möchte man ergänzen; denn Elmar Fischers Komödie fehlt es an zündenden Gags. Stattdessen werden altbekannte Klischees überstrapaziert, wie etwa die Werbetypen, die es zwar auf den Stoff abgesehen haben, aber im eigenen Chaos versinken. In dem Klamauk ohne richtige Höhepunkte stimmen dafür wenigstens die Darsteller: Nora Tschirner wandelt sich souverän von der Vorstadtmaus mit Blümchenbluse zur knallharten wie liebenswerten Gangsterbraut. Elyas M’Barek überzeugt mit coolen Sprüchen als Deutschtürke Salim. Und Max von Pufendorf mimt Philip mit genialem Spießerscheitel. Ein dickes Lob gebührt der Tongestaltung des Films, die in puncto Dynamik und Mischung keine Wünsche offenlässt.
Wolfram Hannemann
12.01.2012 - aktualisiert: 12.01.2012 10:15 Uhr