Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 19.01.2012
Die Muppets
Die Puppen tanzen wieder
Der anarchische Humor lebt: Die Muppets funktionieren noch
Walter ist deprimiert. Bei seinem Besuch in Los Angeles muss er erfahren, dass das berühmte Muppet-Studio schon lange leer steht und in ein Museum umgewandelt werden soll. Dabei haben die dort in den 1980er Jahren von Kermit & Co. produzierten Shows aus ihm einen waschechten Fan werden lassen. Schlimmer noch: der Ölmagnat Tex Richman will das Studio abreißen lassen, weil er darunter eine Ölquelle vermutet. Das muss natürlich verhindert werden! So macht sich Walter auf, um die in alle Winde verstreuten Muppets aufzuspüren und die Show wieder zum Leben zu erwecken.
Das Bild beginnt zu leuchten, Chormusik ertönt: Kermits erster Auftritt gerät zu einem sakralen Moment. Doch nur so lange, bis sich das Leuchten als das Licht eines zufällig vorbeifahrenden Busses mit einer singenden Chorgemeinschaft entpuppt! James Bobins Wiederaufnahme der berühmten TV-Serie um Kermit und Miss Piggy strotzt geradezu vor derart grandiosen Einfällen und beweist damit, dass die Muppets nichts von ihrem anarchischen Humor eingebüßt haben. Da gibt es nicht nur gelungene Persiflagen auf Hollywood-Musicals, in denen wortwörtlich bis zum Umfallen getanzt wird, sondern auch augenzwinkernde Persiflagen auf die Muppet-Charaktere selbst: Fozziebär jobbt als Sänger der Band Moopets in einer üblen Spelunke; Miss Piggy ist Chefredakteurin einer Pariser Modezeitschrift; Gonzo macht Geschäfte in Sachen Toiletten; das "Tier" befindet sich seit Jahren in Therapie, um seine Trommelsucht loszuwerden; und Kermit selbst lebt einsam und zurückgezogen in einer Villa voller Erinnerungen.
Letztere hängen in Form von Ölgemälden an der Wand und werden während Kermits Gesangsnummer geschickt zum Leben erweckt. Wer mit den Muppets aufgewachsen ist, wird auch die Feinheiten der Geschichte erfassen und den Film dafür umso mehr lieben. Unkundigen wird der Zugang zu den quietschfidelen Charakteren nicht gerade leichtgemacht, aber auch für sie gibt es reichlich Gelegenheit, bei diesem vergnüglichen Film herzhaft zu lachen.
Wolfram Hannemann
19.01.2012 - aktualisiert: 19.01.2012 09:45 Uhr