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Filmkritik der Stuttgarter Nachrichten

Im Osten nichts Neues

XXX - Triple X
 

Zwei Binsenweisheiten existieren über den Osten: Zum einen geht da die Sonne auf, zum anderen aber haust dort auch das große Übel, das während des Kalten Krieges noch James Bond bezwang. Doch die Zeiten haben sich geändert: Die Jugend dieser Tage trinkt ihren Red Bull weder geschüttelt noch gerührt und erkennt den britischen Gentleman nicht als Identifikationsfigur an. Ein neuer Held muss also her.

Hollywood war nicht müßig und hat mit der Figur Xander Cage (Vin Diesel) einen Prototyp des Action-Heros 2002 entworfen, der den Decknamen "Triple X" trägt - denselben, unter dem sich einst Barbara Bach als KGB-Agentin mit James Bond herumplagte ("Der Spion, der mich liebte"). Dessen Nachfahre hat die Optik eines Kampf-Ostereis - kahl rasiert und bunt bemalt -, mit der Muskelkraft eines riefengestählten "Men’s Health"-Models und mit dem Jauchebad-erprobten Wagemut eines Jonny Knoxville aus "MTV Jackass".

Und was der so alles kann. Segelt mit dem Motorrad durch die Luft und knallt dabei tschechische Killer ab, fährt auf seinem Snowboard einer Schneelawine davon, radiert im Alleingang ganze Bataillons aus. Dies alles mit der lässigen Coolness, als handle es sich um eine neue Trendsportart.

Auch lässt Xander als amerikanischer Glücksengel Friede, Freude, Eierkuchen wie Manna auf die östlichen Popelstaaten herabregnen. Im Showdown etwa schwebt er mit einem Stars-and-Stripes-geschmückten Fallschirm vom Himmel und entert ein über die Moldau schipperndes Bio-Waffen-Boot, mit dem ein tschechischer Punk-Anarchist Hamburg, Paris, London, Prag und Washington zu eliminieren gedenkt.

Jetzt wissen wir’s also wieder: Jenen östlichen Barbaren, die da in ihren Lustschlössern hocken, an der biologischen Apokalypse basteln und Wodka saufen, denen gehört gehörig in den Hintern getreten! Und zwar von einem strammen US-Boy, der in allen Langzeitglotzern, Videospielfetischisten und Bungeejumpern die Hoffnung weckt, man müsse nur das Snowboardfahren beherrschen und die richtigen Tattoos vorweisen, um gelegentlich mal die Welt zu retten. Nur zu.
 

Jörg Scheller

17.10.2002 - aktualisiert: 28.01.2003 16:27 Uhr

 



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