Einen ziemlichen Stilmix trifft der Barbesucher im Dilayla an - fast wie aus der Schatzkiste eines Stilmeisters. Die Siebziger dominieren.
Der Stil: Nur verhexte Zungen würden sagen, dass es im Dilayla so aussieht, als sei die Schatzkiste eines Stilmeisters explodiert und die Sprengkraft hätte 70er-Jahre-Stühle, Flugzeugsitze, Perserteppiche und elektrische Gitarren, Masken aus Ozeanien, das AC/DC- und das Frank-Zappa-Plakat überall in dem Kellerklub verteilt. Dabei ist die Unordnung so liebevoll geordnet, wie Patchworkdecken zusammengenäht sind. Und so schnuckelig, wie Letztere sind, ist auch das Dilayla.
Der Macher trägt sein Markenzeichen stolz spazieren: Yusuf Oksaz hat wohl den längsten Pferdeschwanz der Stadt. Wenn sich der 33-jährige Restaurantfachmann nicht gerade seiner Leidenschaft für alte Autos widmet oder bei Haushaltsauflösungen nach Möbeln sucht, die es verdient haben, im Dilayla zu stehen, lenkt er mit Janni Finas (32) die Geschicke des Dilayla und die ihres zweiten Klubs, des Romy S. Am 13. Dezember 1996 hat Yusufs erstes "Baby" das Licht der Welt erblickt, benannt hat er es nach einem Hit von Tom Jones. Yusufs Leitsatz: "Der Kunde ist König. Der Wirt ist Kaiser." Wer sich nicht zu benehmen weiß, schnuppert schneller wieder frische Luft, als er eins und eins zusammenzählen kann - oder er kommt erst gar nicht an den Türstehern vorbei.
Das Publikum dürfte man eigentlich gar nicht sehen. Die Gäste passen sich in ihrer Zusammensetzung dem kunterbunten Interieur an. Eines aber haben sie gemeinsam und unterscheidet sie von denen in anderen Lokalen: Berührungsängste kennen sie keine, und vom Phänomen, dass Beine nur am Wochenende zum Tanzen da sind, haben sie auch noch nie etwas gehört. Ein Teppich als weicher Untergrund für die kreisenden Hüften schafft die Intimität, die jeder von seinen ersten Partys kennt - die Feten zu Hause, wenn die Eltern nicht da waren. Je nach DJ wird passend zur Einrichtung unbekümmert Michael Jackson mit Sean Paul gemischt.
Die Drinks: Nicht nur, weil sie sowieso sehr selten verlangt werden, sondern auch aus reiner Faulheit gebe es keine, erläutert Yusuf, warum man nach einer Karte vergeblich sucht. "An der Bar ist alles zu sehen, was es gibt", so der Chef. Bier und Longdrinks gehen wie warme Wecken über die Theke. Auch wenn Yusuf Gästewünsche erfüllt - "Banausitäten" wie zum Beispiel einen Malt Whisky mit Cola zu mischen, das macht er für niemanden. Achtung: Wenn hier etwas zusammengerührt wird, dann hochprozentig.
Der Weg ins schräge Wohnzimmer in der Eberhardstraße führt über eine Treppe vorbei an bizarr gemalten Größen aus der Rockgeschichte. Vorher muss man nur das Auto zu Hause stehen lassen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen und entweder beim Rathaus oder bei der Haltestelle Stadtmitte aussteigen.
Die Preise: Wasser 2,50 Euro, Becks 2,50 Euro, Drinks 5,50 Euro, Caipirinha 6,50 Euro.
Ariane Wölpper, Stuttgarter Zeitung vom 18.11.2003