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Interview

Michael "Bully" Herbig über seinen neuen Film

"Kultige Sprüche kann man nicht konstruieren"
 

Der "Schuh des Manitu" lockte fast zwölf Millionen Zuschauer an und geriet zum erfolgreichsten deutschen Film der Nachkriegszeit. Nach der schrägen Winnetou-Satire widmet sich der Komödiant, Autor, Regisseur und Darsteller Michael "Bully" Herbig nun dem Science-Fiction-Genre und präsentiert mit "(T)Raumschiff Surprise" die Parodie auf Captain Kirk, Mr. Spock und Co.

Herr Herbig, stellen Sie sich vor, es ist Bully, und keiner geht hin - quälen Sie bisweilen solche Albträume?

Ganz so schlimm ist es nicht. Allerdings hatte ich zwei Tage vor der Premiere von "Erkan & Stefan" und vor dem "Schuh des Manitu" jeweils diesen gleichen schlimmen Traum: Ich sitze in einem vollen Kino. Der Film fängt an - aber er sieht völlig anders aus als der, den ich gemacht habe! Aber mit solchen Sorgen lässt es sich noch leben.

Wie groß war der Erwartungsdruck?

Nachdem "Erkan & Stefan" über 1,3 Millionen Besucher hatte, war schon der Druck auf "Manitu" enorm. Damals hatte ich gehofft, mit meinem zweiten Kinofilm wenigstens einen Zuschauer mehr in die Kinos zu locken. Dass es dann am Ende über zehn Millionen mehr waren, hat mich echt umgehauen. Der dritte muss das nicht wiederholen, aber er sollte mindestens so viele Zuschauer haben wie der erste.

Bei "Manitu" gerieten Sprüche wie "Mein Bruda" oder "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden" zum Kult ...

Man kann sich bei der Drehbuchentwicklung keine kultverdächtigen Sprüche ausdenken, die später vielleicht auf T-Shirts gedruckt werden. Solche Dinge hat man nie im Griff. Warum und welche Dialoge nachgesprochen werden und sich zum Spaß-Zitat entwickeln, liegt allein beim Publikum.

"Den Sand in den Kopf stecken" klingt schon ein wenig nach "Gesamtsituation" ...

Das ist so ziemlich der flachste Spruch im ganzen Film. Wenn unsere Königin schon "Metapha" heißt, wollten wir sie wenigstens einmal etwas Bedeutungsvolles sagen lassen. Ursprünglich sollte sie das ständigs tun. Aber irgendwann hat uns das selbst so wehgetan, dass wir die ganzen Sprüche bis auf diesen einen wieder gestrichen haben.

Es gibt reichlich Anspielungen auf das Genre, wie viele Filme werden zitiert?

Wenn man ein bestimmtes Genre samt seiner Klischees bedient, ergeben sich solche Zitate oft automatisch. Irgendwann verselbstständigt sich das regelrecht. Bei "Manitu" wurde ich auf Anspielungen angesprochen, von denen ich nicht einmal das Original kannte. Solche Interpretationen finde ich überhaupt nicht schlimm. Hauptsache, die Zuschauer haben ihren Spaß dabei.

Mussten Sie für die Verwendung von "Star Wars", Mister Spock und Co. nicht reichlich Lizenzgebühren bezahlen?

Soweit ich weiß, gilt Parodie als durchaus genehmigtes Genre. Bei "Manitu", den man fälschlicherweise für eine Winnetou-Parodie gehalten hat, kam damals der Karl-May-Verlag auf mich zu. Dabei ging es aber nicht um irgendwelche Rechte, die wollten nur unser Buch zum Film verlegen. Was für uns natürlich eine Art Ritterschlag war.

Sie bieten ähnlich aufwändige Spezialeffekte wie die Originale - gehen die Tricks nicht auf Kosten der Gags?

Für mich sind die Effekte faszinierend. Wir hatten das bei "Erkan & Stefan" schon probiert, bei "Manitu" noch mehr. Diesmal setzen wir das ganz stark ein. Bei einem Science-Fiction-Film wären Originalschauplätze eben einfach zu teuer. (lacht) Wir haben acht Monate vorbereitet, hatten 50 Drehtage, die Nachbearbeitung dauerte ein Jahr. Es ist nicht so einfach, mit neun Millionen Euro etwas zu produzieren, das nach 100 Millionen Dollar aussehen soll.

Neun Millionen Euro sind ein stolzer Preis für einen deutschen Film ...

Für deutsche Verhältnisse ist das Budget enorm, im internationalen Vergleich jedoch eher putzig. In Hollywood hat man wahrscheinlich Kurierkosten in dieser Größenordnung. Es gibt Szenen, da rechnet der Computer für ein einziges Bild gut sechzig Stunden. Da ein Film 24 Bilder pro Sekunde hat, ergibt das eine Rechenzeit von über tausend Stunden für eine Sekunde Effekt.

Wie würden Sie Ihren Film beschreiben?

Es geht um eine Mädchen-WG in der Zukunft, die mit ihren alltäglichen Problemen klarkommen muss. Durch einen gut aussehenden Taxifahrer werden sie plötzlich aus ihrer Harmonie herausgerissen - ab dann beginnt der Film zu menscheln, das emotionale Desaster beginnt. Durchaus vergleichbar mit "Doktor Schiwago", "Lovestory" oder "Flipper".

Bei so viel schwulen Figuren könnte man auch an Rosa von Praunheim denken. Gab es nie Beschwerden?

Zu Praunheim kann ich wenig sagen, weil ich kaum etwas von ihm kenne. Das Einzige, was uns vermutlich verbindet, ist das Rosa, das im Film durchaus thematisiert wird. Wir haben eigentlich Beschwerden erwartet, aber es kam nie was. Die Zuschauer haben die Figuren geliebt. Es gab Heterosexuelle, die gesagt haben: So was macht man aber nicht! Von Schwulen kamen Einladungen zum CSD, ob wir nicht auf einem Wagen mitfahren wollen. Das entspricht meinem Motto: Du kannst dich über alles lustig machen und jeden auf den Arm nehmen, wenn die Betroffenen selbst darüber lachen können. Sobald du jemanden verletzt, lass die Finger davon.

Bully mit Botschaft?

Jeder meiner drei Filme hat eine Botschaft. Diesmal lautet sie: Man kann zu jeder Stunde die Zeit und die Geschichte verändern. Man hat die Zukunft also bereits jetzt in der Hand.
 

Fragen von Dieter Oßwald, Stuttgarter Nachrichten

21.07.2004 - aktualisiert: 05.09.2007 19:58 Uhr

 



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