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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 20.10.2005

Fremde Haut

Deckmantel Männeridentität

Eine junge Frau ist auf der Flucht. Im Iran droht der Dolmetscherin Fariba die Todesstrafe, in Deutschland wartet eine ungewisse Zukunft auf sie. Bereits am Stuttgarter Flughafen wird ihr politisches Asyl verwehrt. Doch Fariba entdeckt eine Lücke: Als Mann verkleidet findet sie Unterschlupf in einem Ausländerwohnheim auf den Fildern. Hier lernt sie Anna kennen und wird von ihrer Vergangenheit eingeholt - Fariba musste den Iran verlassen, weil sie dort eine Frau zu sehr liebte.

Regisseurin Angelica Maccarone, Kamerafrau Judith Kaufmann und Schauspielerin Jasmin Tabatabei bilden in "Fremde Haut" ein Trio, das es versteht, den Zuschauer dicht an die von Angst, Einsamkeit und Beklemmung bestimmte Lebenssphäre der Iranerin heranzuführen. Auch sorgt die brüchige Identitätsmaskerade am Anfang des Films für ausreichend Spannung.

Doch mit der Zeit ermüdet die allzu schematisch angelegte Drehbuchkonstruktion. Willkürlich pendelt der Film zwischen politischem Lehrstück, dramatischer Liebesgeschichte und der Demonstration schwäbischer Provinzenge hin und her. Dabei steht die ganze Zeit die wirklich spannende Frage im Raum, wie sich Faribas Beziehung im Iran entwickelt hat - um diese Frage aber mogeln sich die Akteurinnen und ihr Film elegant herum.
 

Klaus Friedrich

20.10.2005 - aktualisiert: 20.10.2005 11:25 Uhr

 


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