Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 30.03.2006
Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell
Der Psycho-Spielerin fehlt ein Gegner
Der erste Impuls ist oft der richtige. Als Sharon Stone gefragt wurde, ob sie in einer Fortsetzung des Thrillers "Basic Instinct" (1992) wieder die Hauptrolle der Romanautorin und Psycho-Spielerin Catherine Tramell übernehmen wolle, lehnte sie ab. Demi Moore und Ashley Judd kamen ins Gespräch, und irgendwann war Stone dann doch im Boot - allen Zweifeln zum Trotz.
Diesmal scheitert sie als tödliche Verführerin, die Pycho-Krimis anzettelt, orchestriert und eskalieren lässt, um daraus Nektar für ihre Bücher zu saugen. Kein Wunder: Zum einen weiß man, anders als beim ersten Teil, all das vorher, zum anderen hat sie keinen adäquaten Gegner mehr.
Der Film krankt also keineswegs allein am Alter der Hauptdarstellerin: Sharon Stone macht auch mit 48 eine gute Figur. Nachbearbeitet oder nicht ist egal - selbst wenn es so wäre, würde das ja zur Rolle passen. Was fehlt, ist die Einbettung. Wenn Keith Richards mit den Rolling Stones einen lausigen Tag erwischt, wirkt Mick Jaggers Gegockel auf der Bühne übertrieben oder gar albern, denn ohne den Druck der Band läuft es ins Leere. Genau so ergeht es Sharon Stone in diesem Film, der zur One-Woman-Show wird, wenn sie raubkatzenhaft die Augen zusammenkneift und mit entblößten Zähnen vergiftete Wortpfeile abschießt, die allesamt im Nichts landen.
Michael Caton-Jones hat sich exakt am Original orientiert und bedient alle Motive: Er lässt seine Protagonistin im Auto rasen, geschwätzige Wortgefechte austragen und wilden Sex haben, all das strikt nach Blockbuster-Formel inszeniert vor aufwändigen Kulissen und in Hochglanzbildern. Opulentes Konfekt fürs Auge ohne Inhalt, das kein bisschen berührt - da wird Unterhaltung nur als Oberfläche vorgegaukelt.
David Morrissey bleibt viel zu blass als Psychiater, der zunächst ein Gutachten über Catherine Tramell verfasst und ihr dann verfällt. Kaum zu glauben, dass er so einer die Stirn bieten könnte. Dabei war es ja gerade der Zusammenprall Stones mit dem ebenfalls körperbetont und aggressiv auftretenden Michael Douglas, der den Reiz des ersten Teils ausgemacht hat.
In der Fortsetzung erschließt sich weder, wieso der Psychiater sich auf das perfide Spiel der lasziven Intrigantin einlässt, noch, warum sie sich ausgerechnet diesen Langweiler aussucht, der außer einer lang zurückliegenden, fatalen Fehldiagnose nichts Spannendes zu bieten hat. Die Nebenrollen sind lustlos konstruiert, Charlotte Rampling geht in einer davon unter. Allein David Thewlis kann als Polizist so etwas wie eine Persönlichkeit entfalten.
Der erste Impuls ist oft der richtige - Sharon Stone hätte auf ihren "basic instinct" hören sollen.
Bernd Haasis
30.03.2006 - aktualisiert: 30.03.2006 11:10 Uhr