"Das war ein Auftakt nach Maß - nicht
weltmeisterlich, aber fröhlich" urteilte der baden-württembergische
Ministerpräsident
Günther Oettinger kurz nach Abpfiff. Zum WM-Auftakt in der Allianz-Arena war er extra nach München gereist. "Angriffs- und Offensivgeist der deutschen Mannschaft haben gestimmt" so Oettinger. Aber: Nicht alle Stuttgarter Promis zeigten sich so zufrieden mit dem Spiel gegen Costa Rica.
"Unsere Anfeuerung hat man sicher bis München
gehört" sagte Stuttgarts Oberbürgermeister
Wolfgang Schuster unmittelbar nach dem Spiel. Die Atmosphäre auf dem Stuttgarter Schlossplatz, wo Schuster zusammen mit
tausenden Fußballfans die Partie auf der Großbildleinwand verfolgte, sei toll gewesen.
Etwas gedämpfter fiel der Kommentar von
Sabine
Hagmann aus. Die Hauptgeschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes Baden-Württemberg, nach eigenen Angaben "Sportfan" zieht ein pragmatisches Fazit: "Gewonnen ist gewonnen da wollen wir nicht so
streng sein. Begeistert hat mich das Spiel nicht. Aber wenn wir dieses Ergebnis bis zum Ende durchhalten, sind wir Weltmeister."
Den Weltmeistertitel traut
Werner Schretzmeier der deutschen Nationalmannschaft nicht zu. "Die zweite Halbzeit war ein ziemliches Gewürge" kritisierte der Theaterhaus-Chef. Seine Analyse: Die Offensive mache Hoffnung, aber in der Defensive fehle es an Abstimmung. "Philipp Lahm hat mir sehr gut gefallen, aber einer alleine kann's nicht
richten." Der Fußball-Freund, früher selbst aktiv in Schorndorf, hatte sich das Spiel im Theaterhaus unter rund 300 Gästen angesehen.
Ganz so streng urteilte Jazzmusiker
Wolfgang Dauner nicht, aber auch er übte Kritik an der deutschen Elf: "Die Schwäche in der Abwehr ist für mich unverständlich." Auch für den Schiedsrichter hatte er Tadel übrig. "Es gab da so ein paar Abseits-Entscheidungen, die nicht richtig waren, das hat später die Zeitlupe gezeigt." Insgesamt hätten sich Klinsis Jungs aber wacker geschlagen: "Wir haben die
Pflicht-Zitterpartie mal wieder bestanden. Falls es stimmt, dass die deutsche Mannschaft eine Turniermannschaft ist, dann werden sie sich im
weiteren Verlauf steigern. Und das ist beim nächsten Gegner auch nötig. Der ist nämlich ein ganz anderes Kaliber als Costa Rica."
Rundum begeistert zeigte sich Schauspieler
Walter Sittler. "Sie haben verdient gewonnen und überlegen gespielt, schnell und unkonventionell." Über die Gegentore sieht er milde hinweg. So etwas passiere. Dieses Mal noch hat er das Spiel zu Hause angesehen. In wenigen Tagen aber will er selbst mit seinem Sohn Stadionluft schnuppern. Für zwei Vorrundenspiele in Stuttgart hat er Karten.
Chorleiter
Gotthilf Fischer zeigte sich nach dem Spielende, das er im Fernsehstudio der
Landesschau erlebte, mit dem Ergebnis sehr zufrieden. "Gott sei Dank lief es nicht so, wie es alle in ihrer Euphorie erwartet haben" sagte Fischer. So gerate jetzt das deutsche Team nicht in Gefahr, zu leichtsinnig in die nächsten Spiele zu gehen. "Es besteht noch viel Potenzial nach oben."
Am Spiel müsse noch gearbeitet werden, aber der Auftritt als Gastgeberland verdiene großes Lob, sagte Kabarettist
Roland Baisch. "Die Eröffnungsfeier war nicht spektakulär, aber nicht unsympathisch. Die Deutschen haben ja so ein bisschen ihre Probleme mit
Feiern, aber die WM gibt uns die Chance, uns zu präsentieren." Kurz vor dem Spiel habe er einen schönen Artikel im "Time Magazine" gelesen und einen positiven Bericht im amerikanischen Sender CNN
gesehen.
Baischs Kabarettisten-Kollege
Christoph Sonntag, ganz in seinem Element: "Viele Spieler der deutschen Elf waren mir zu lahm, außer Philipp. Insgesamt aber muss man sagen: Das torreichste Eröffnungsspiel seit Erfindung der WM lässt hoffen, wenn uns ein Gegner demnächst schlägt, dann wenigstens torreich!" In diesem Sinne, auf ein Neues.