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Zwischenbilanz

Wenig Tore, viel Hoffnung

Erst am Ende der Vorrunde gab es endlich Dramatik und Nervenkitzel
 

Berlin - Am Ende der Vorrunde gab es endlich Dramatik und Nervenkitzel, sportlich hob sich der erste Teil der 18. Fußball-WM ansonsten nicht sonderlich vom Vorgängermodell ab.

Wie 2002 in Asien war auch in Deutschland überwiegend fußballerische Magerkost an der Tagesordnung. 111 Tore nach 44 von 48 Gruppenspielen sind ein Beleg dafür, dass die euphorische Stimmung im Gastgeberland nicht von den Rängen auf den Rasen übersprang. Mit einem Treffer- Schnitt von 2,52 Toren pro Spiel erlebt Deutschland bislang die torärmste Weltmeisterschaft seit 1990 in Italien (2,21). Selbst die "Torfabriken" aus Deutschland und Argentinien kamen mit einer Quote von 2,66 nicht an die Marke der Endrunde von vor vier Jahren heran (2,71).

"Ab dem Achtelfinale gibt es keine Experimente mehr. Da muss jedes Team voll gehen um zu gewinnen", sagte FIFA-Präsident Sepp Blatter. Der Chef des Weltverbandes war beinahe erleichtert darüber, dass das Taktieren ein Ende hat. Die WM mit dem zweithöchsten Zuschauerschnitt der Geschichte (51.617) soll den Fans in der K.o.-Runde endlich bieten, was die großen Namen versprechen: In Brasilien, Deutschland, Argentinien, Italien, England, Spanien und Mexiko hatten vor dem letzten Vorrunden-Spieltag gleich sieben gesetzte Teams die Erwartungen erfüllt. Für Fußball-Legende Pelé sorgten die Argentinier für die Highlights: "Sie spielen überragenden Fußball."

Die Favoriten hatten in der Vorrunde überwiegend leichtes Spiel. Mit Ausnahme von WM-Neuling Ghana, der als einziges Land aus Schwarzafrika das Achtelfinale erreichte, sowie Ecuador und Australien, die bei der zweiten WM-Teilnahme erstmals die Gruppenphase überstanden, enttäuschten die Exoten. "Die Internationalität im Fußball fehlt in der K.o.-Runde", beklagte Blatter die Übermacht der Europäer.

Das Ausscheiden Japans sei ein Rückschritt für den Fußball im Land der aufgehenden Sonne. Den Afrikanern fehle auch vier Jahre vor der WM in Südafrika noch die Abgeklärtheit vor dem Tor. So wie den stark, aber erfolglos aufspielenden Fußballern von der Elfenbeinküste. Begeistert war der Schweizer von den Deutschen, die er als Titelanwärter sieht: "Die Welle der Begeisterung, die die deutsche Mannschaft trägt, wird sich auch weiter auf dem Platz auswirken."

Ausgewirkt hat sich auch das frühe Saisonende der Fußball-Profis in ihren Clubs am 15. Mai. Die Spieler waren nach der langen Spielpause hungrig, es haben sich längst nicht so viele verletzt wie beim Turnier vor vier Jahren. Schwere Blessuren wie die von Michael Owen (Kreuzbandriss) oder Jan Koller (Muskelfaserriss) waren die Ausnahme. Dabei ging es, nimmt man die Sanktionen der Schiedsrichter als Maßstab, in den Vorrundenspielen durchaus ruppiger zu als noch 2002. In 44 Spielen gab es 5 Rote (2002: 8), 12 Gelb-Rote (5) und 207 Gelbe Karten (198). Die überwiegend konsequent pfeifenden Schiedsrichter sorgten für ein Novum: Erstmals bei einer Endrunde gab es gleich in zwei Spielen jeweils drei Platzverweise (Italien - USA/Australien - Kroatien).

Für zwei weitere Einträge in die Geschichtsbücher des Fußballs zeichneten die Brasilianer verantwortlich. Der fünfmalige Weltmeister baute seine eindruckvolle Siegesserie auf zehn WM-Spiele aus. Und Ronaldo steht nun in einer Reihe mit Gerd Müller. Der 29-Jährige erzielte mit seinen zwei Toren beim 4:1 der Brasilianer gegen Japan seine WM-Treffer Nummer 13 und 14 und zog bereits nach der Vorrunde in der ewigen Torschützenliste mit dem Deutschen gleich. Ein Anwärter auf den Titel Top-Star der WM ist "il fenomeno" bislang aber ebenso wenig wie der alternde Zinedine Zidane, Ruud van Nistelrooy oder die hoch gehandelten Talente Wayne Rooney und Lionel Messi. Am ehesten fiel bisher Weltfußballer Ronaldinho mit Anflügen seiner Genialität aus der Rolle.

Pelé hat aber auch Miroslav Klose noch auf der Rechnung. Der Bremer Stürmer ist mit vier Toren und neun Torschüssen bislang der gefährlichste Spieler dieser WM. "Es besteht kein Zweifel, dass er das Zeug zum besten Torschützen der WM hat. Schließlich spielt er in einer Mannschaft, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzt und die sicherlich noch weit kommt", prophezeite der Brasilianer.
 

dpa

23.06.2006 - aktualisiert: 05.09.2007 20:32 Uhr

 



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