Suche nach Kinofilmen
 
 


Filmbeschreibung

Kino-Termine

Dieser Film läuft in folgenden Kinos

 

 

Vorschau ]

zurück


Drucken Versenden
Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 29.06.2006

Hard Candy

Gnadenloses Kammerspiel

Auf seinem stilvollen Esstisch gefesselt, leidet der Modefotograf Jeff Höllenangst. Mit Küchenwerkzeugen bewaffnet, macht sich die junge Hayley an seinen Genitalien zu schaffen. Doch was wie eine Kastration aussieht, ist "nur" ein Psycho-Schocker aus dem brutalen Fantasie-Arsenal des 14-jährigen Rache-Engels. Mit der Andeutung dieser Sequenz aus dem David-Slade-Horrorszenario soll es hier auch schon genug sein. Denn die Story ist ohnehin nur für Kinogänger geeignet, die ihre Nerven gut beieinander halten können oder Sinn für filmische Ästhetik und Stilistik haben.

Nach dem Aufführungsverbot des Filmes "Rohtenburg" über den kannibalistischen Mörder Armin Meiwes wagt Produzent und Senator Co-Eigentümer Marco Weber nun unter dem Label Autobahn den Neustart mit einem weiteren Suspense-Erlebnis. Schon der überwiegend weiße Vorspann, der von roten Linien zerteilt wird, leitet perfekt in das Kammerspiel der beiden Protagonisten ein, das Jo Willems in intensive Digitalvideo-Bilder gefasst hat.

Jeff (Patrick Wilson), attraktiver wie erfolgreicher Modefotograf Anfang 30, trifft seine 14-jährige Internet-Bekanntschaft Hayley (provokant sexy wie taktisch klug spielend: Ellen Page) im Coffeeshop. Sie reden, flirten und suchen Fortsetzung in Jeffs schickem Apartment. Unter der Annahme, dass der Vorwurf des Mädchens stimmt, Jeff betreibe Pornografie und gehe pädophilen Neigungen nach, dreht die ebenso diffizile wie raffinierte und dialogstarke Story den Zuschauer durch den Wolf seiner Gefühle: Soll er Partei für den Teenager ergreifen, der zuerst weiblich lockt, dann aber alle Register der Gewalt zieht (und so die übliche Opfer- durch die Täterrolle eintauscht)? Oder soll er sich auf die Seite des Fotografen schlagen, der seine Unschuld beteuert?

Das nervenkitzelnde Katz-und-Maus-Spiel, das eine Diskussion über den Status junger Mädchen als Sexobjekte auslösen könnte, endet formal logisch, aber auch gnadenlos.
 

Brigitte Jähnigen

29.06.2006 - aktualisiert: 29.06.2006 11:28 Uhr

 


Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise