Suche nach Kinofilmen
 
 



Kino-Termine

Dieser Film läuft in folgenden Kinos

 

 

Vorschau ]

zurück


Drucken Versenden
Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 06.07.2006

Ab durch die Hecke

Tierische WG im hohlen Baum

Der Waschbär Richie muss dem fiesen Bären Vincent binnen einer Woche einen Berg Nahrungsmittel zurückzahlen und spannt dazu ein paar naive Waldtiere ein. Die sind gerade aus dem Winterschlaf erwacht und entdecken, dass der halbe Wald weg ist: Hinter einer langen Hecke haben die Menschen ein Neubaugebiet errichtet.

Das klingt simpel, doch wie beim Geniestreich "Shrek" haben die Dreamworks-Animationsexperten ihre turbulente Komödie unterfüttert mit Blicken hinter die Klischees, schärfer und selbstkritischer, als es viele Europäer Mainstream-Filmen aus den USA zutrauen. Da geht es nicht nur darum, wie der Mensch die Natur zurückdrängt, der Film ist auch eine universelle Parabel darüber, wie angestammte Milieus durch Eindringlinge aus dem Gleichgewicht geraten - die Globalisierung lässt grüßen.

Der degenerierte Richie lebt von Abfall und infiziert die sich mühsam ernährenden Waldtiere mit Chips, Cola und allem anderen, was das Junkfood-Tableau hergibt. Richie ist der Prototyp des Vereinzelten in einer individualisierten Gesellschaft, der sich alleine durchschlagen muss und dies nur schafft, indem er ein hinterlistig-verschlagener Opportunist mit großer Klappe geworden ist. Demgegenüber sehen sich die Waldtiere als Familie, obwohl sie nicht dem tradierten Blutsbande-Ideal entsprechen: Der allein stehende Schildkröterich Verne, der allein erziehender Opossum-Vater mit seiner halbwüchsigen Tochter, das Stachelschweinpaar mit den drei kleinen Söhnen und Hammy, das nervöse Eichhörnchen, sind eine Patchwork-Kommune, eine WG im hohlen Baum, die miteinander feiert, die sich streitet, die füreinander da ist.

Die Menschen im antiseptischen "Suburbia", die die Natur mittels akkurat getrimmter Hecke aussperren, ahnen von all dem nichts. Die Vorsitzende des Vereins der Eigenheimbesitzer ist überzeichnet, wirkt aber eigenartig vertraut: eine neurotische Karrierefrau, die im vollklimatisierten Schickeria-Traktor über den Dingen schwebt und beim Anblick von allem, was unkontrolliert vor sich hin lebt, einen Schreikrampf bekommt und an Sagrotan und Gummihandschuhe denkt. Sie bestellt den Kammerjäger, einen rückgratlosen Sadisten, der grinst wie ein Triebtäter, wenn er den "Entpelzer" im Garten installiert.

Die Charakter-Animation ist wie bei "Shrek" sehr lebensecht, und die Tiere wirken sehr menschlich. Ihre Raubzüge ins Reich der Menschen lösen Kettenreaktionen aus, die so ausgeklügelt, so irrwitzig sind, dass man es kaum für möglich hält. Und wer glaubt, es sei reine Familienunterhaltung à la Hollywood, wenn ein kleines Eichhörnchen zum großen Helden wird, der wird Augen machen, wie einfallsreich so etwas erzählt werden kann.
 

Bernd Haasis

06.07.2006 - aktualisiert: 06.07.2006 11:14 Uhr

 


Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise