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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 13.07.2006

The Fast and The Furious: Tokyo Drift

Erotik unter der Motorhaube

Was dabei herauskommt, wenn ein Western mit dem Videorennspiel "Need For Speed" und der TV-Auto-Aufmotzshow "Pimp My Ride" verrührt wird, führt der Streifen "The Fast & The Furious: Tokyo Drift" vor: Hinter der Story um einen jungen US-Amerikaner, der sich in Tokio zum Champion illegaler Autorennen hocharbeitet, lauert eine postmoderne Uminterpretation der Westernmythologie.

Erzählt wird vom Außenseiter Sean (Lucas Black, der in seinen besten Momenten wie ein verjüngter Kiefer Sutherland aussieht), der nirgendwo zu Hause ist. Nicht in Los Angeles, das er verlassen muss, weil ihm nach einem Rennunfall ein Gefängnisaufenthalt droht, und schon gar nicht in Tokio: Weil er gegen alle Regeln verstößt, sich immer wieder als Mann neu beweisen muss und auch noch mit der Freundin eines Gangsters einen Flirt beginnt, legt er sich schnell mit all jenen an, die in der dortigen Unterwelt das Sagen haben. Am Ende wird es in hochgetunten Autos zum Showdown kommen.

Rund 443 Millionen Dollar haben die ersten beiden "The Fast & The Furious"-Spektakel weltweit eingespielt. Der dritte Teil dürfte deshalb an den Kinokassen leichtes Spiel haben. Einfach haben es sich die Produzenten des Films trotzdem nicht gemacht und einiges gewagt, als sie für die Fortsetzung den ambitionierten Regisseur Justin Lin verpflichtet haben, der mit seinem Actiondrama "Better Luck Tomorrow" schon beim Sundance Filmfestival für Aufsehen sorgte.

Und so hingebungsvoll wie er hat bislang selten jemand Autoleidenschaft filmisch umgesetzt. Kaum wird es dunkel im Kino, zucken schon ungeduldig die Bilder im Rhythmus des HipHop-Beats, der den Film antreibt. Immer wieder verhält sich die Kamera wie ein Hubraumjunkie, der nervös nach dem Kick Ausschau hält, der sich an der Erotik des Motorisierten berauscht.

"Warum lasst ihr nicht eure Autos für euch sprechen", fordert eine sich lasziv auf einem Cabrio räkelnde Blondine einmal Sean und einen Widersacher auf, und macht damit deutlich, wie sehr der Film eine Männerfantasie ist - allerdings eine, die verchromte Spoiler und Hochglanzlackierungen stets den hübschen Models vorzieht, die um die Autos herumdrapiert werden. Den knapp bekleideten Frauen gelingt es nämlich nur selten und immer nur kurz, die Aufmerksamkeit der Kamera auf sich zu lenken, die viel lieber lüstern mit ihren Objektiven über Karosserien streichelt oder unter Motorhauben kriecht.
 

Gunther Reinhardt

13.07.2006 - aktualisiert: 13.07.2006 12:32 Uhr

 


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