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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 12.10.2006

Eine unbequeme Wahrheit

Es droht eine Eiszeit

Es ist schwer, einen Menschen dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, es nicht zu verstehen" - mit diesem Zitat von Upton Sinclair verdeutlichen Regisseur Davis Guggenheim und Protagonist Al Gore, wieso die Menschheit nicht handelt in Sachen Klimaschutz.

Nachdem Gore bei der dubiosen Präsidentschaftswahl 2000 zum Verlierer erklärt wurde, widmete er sich ganz der Ökologie, für die er schon während der Vizepräsidentschaft unter Clinton in Washington eintrat - mit mäßigem Erfolg. Er ging auf Tournee mit einer Diashow, die sich mit Erderwärmung und Treibhauseffekt beschäftigt. Guggenheim hat Gore zu den Vorträgen und darüber hinaus mit der Kamera begleitet.

Gores Aussagen sind alarmierend: Wenn das Verheizen fossiler Brennstoffe nicht gestoppt wird, wenn wir weiter so viel CO2 in die Atmosphäre blasen, drohen noch ganz anere Kastrophen als Hurrikane wie Katrina. Taut etwa das grönländische Festlandeis weiter auf, wird der Meeresspiegel stark steigen, werden Manhattan, Holland, Bangladesch untergehen. Zudem könnte die Abkühlung des Nordatlantiks den Golfstrom zum Erliegen bringen und eine neue Eiszeit über Europa hereinbrechen.

Gore hat die Fakten anschaulich und verständlich aufbereitet und arbeitet mit gestochen scharfen Fotos und Grafiken. Er stützt sich auf Erkenntnisse führender Wissenschaftler und erklärt, wie Lobbyisten und korrupte Politiker Medien dahingehend beeinflussen, die Situation zu verharmlosen. Er ist eloquent und originell, deutlich erkennt man den austrainierten Berufspolitiker. So einen ohne Rücksicht auf Interessengruppen über ein ehrliches Anliegen reden zu hören, das sieht man wirklich selten.

Guggenheim, der Episoden der TV-Serie "24" inszeniert hat, setzt den Vortragsreisenden perfekt ins Bild und hat dem stets unnahbar Wirkenden sogar private Momente entlockt. Auf der Farm seiner Eltern erzählt Gore, die Familie habe hier über Generationen Tabak angebaut - bis seine Schwester, eine Raucherin, an Lungenkrebs gestorben sei. Eine treffend platzierte Analogie zum Umgang der Menschheit mit dem Klima.

Alle, zumindest aber die, die Kinder und Enkel haben, sollten diesen Film sehen, um die Fakten zu kennen. Denn nur der geballte Druck mündiger Bürger kann das Umweltschmutz-Kartell aus Wirtschaft und Politik zur Energiewende zwingen.
 

Bernd Haasis

12.10.2006 - aktualisiert: 12.10.2006 13:21 Uhr

 


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